| Kirchspiel Hohensalzburg | ||
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| von Kurt Henning |
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Wer seine Ahnen erforschen will, muß wissen, zu welcher Kirche der Ort gehörte, in dem seine Vorfahren geboren wurden, heirateten und starben und er muß wissen, wo er die betreffenden Kirchenbücher bzw. deren Duplikate finden kann, in denen diese Geburten, Heiraten und Sterbefälle eingetragen worden sind. Die Duplikate sind für uns besonders wichtig, da die Kirchenbücher in Ostpreußen meist alle vernichtet sind. Glücklicherweise wurden aber von ihnen vorher oftmals Duplikate angefertigt und der Ahnenforscher muß wissen, wo diese sich befinden.
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Dieser Beitrag stammt von Kurt Henning und ist als Hilfestellung zur Ahnenforschung gedacht.
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Erinnerungen einstiger Bewohner von Ballandszen an ihre Heimat
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Frau Irma Steinhagen geb. Sauer
schreibt in ihrem Brief an mich (Kurt Henning) vom Februar 2008: Es waren meist kleine bis mittelgroße Bauerngehöfte, eine Schmiede, eine Mühle, ein Stellmacher, Gastwirtschaft mit kleinem Laden und die Schule. Mit Lebensmitteln hat man sich selbst versorgt. Ende November wurde ein Schwein geschlachtet, ebenso etliche Gänse, Enten und Puten. Das Fleisch wurde zum Teil eingeweckt, zum Teil geräuchert, und zu Weihnachten war die Räucherware dann fertig. Geackert wurde mit Pferden. Die Kühe gaben reichlich Milch - waren meist gutes Herdbuchvieh. Bis 1944 wurde selbst gebuttert und die Butter verkauft. Danach mußte die Milch abgeliefert werden. Die Winter waren sehr schneereich. Oft gab es bis zu drei Meter Schnee, so daß man Gänge vom Haus zum Stall und zur Scheune schaufeln mußte. Im Frühjahr zur Schneeschmelze gab es große Eis- und flache Wasserflächen, die nachts zufroren, so daß wir Kinder auf ihnen herrlich Schlittschuh laufen konnten. Im September 2007 haben wir Ballanden besucht. Es gibt nur noch Gebüsch, wo einst schöne Höfe standen. Es ist traurig. |
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Frau Christel Vogel geb. Liedtke
teilte mir im Februar 2008 telefonisch folgendes mit: Rund 300 Einwohner lebten in Ballanden. Viele waren Litauer. Daher gab es auch zwei Friedhöfe - einen deutschen und einen litauischen. Zwei große Bauernhöfe gab es. Einer hatte 400 Morgen und der andere 250 Morgen. Zu jedem Hof gehörten Insthäuser. Die übrigen Bauernhöfe hatten 50 bis 100 Morgen - einige wenige auch nur 20 bis 30 Morgen. Im Dorfkern waren etwa 20 Höfe angesiedelt. Die anderen lagen außerhalb. Geackert wurde mit Pferden. Die Volksschule lag mitten im Dorf. Sie umfaßte 8 Klassen und wurde von etwa 50 bis 60 Schülerinnen und Schülern besucht. Der Lehrer war der unumstrittene Herrscher in der Schule. Die Schüler haben in seinem Garten mitgeholfen. Jeder tat ihm gern einen Gefallen. Seine Wohnung für sich und seine Familie befand sich im Schulgebäude. Ab 1932 war Herr Laudien, der Vater von Günter Laudien, Lehrer. Die Mittelschule, deren Besuch Geld kostete, befand sich in Breitenstein/Kraupischken. Der Schulweg dorthin wurde per Bus, Schlitten, zu Fuß oder Rad bewältigt. Die Eltern von Frau Vogel - Liedtke - besaßen die Gastwirtschaft in Ballanden. Sie lag auf dem Anger. Zur Gastwirtschaft gehörten rund 50 Morgen Land, die mit vier Pferden bewirtschaftet wurden. Bis zum II. Weltkrieg wurden wie überall so auch in Ballanden öffentliche Feste gefeiert - beispielsweise die Fastnachtsbälle. Dies geschah im Saal der Gastwirtschaft oder in deren Garten, im Saal wurden ringsum Tische und Stühle aufgestellt. Eine dreiköpfige Kapelle aus Ragnit spielte zum Tanz auf -bestehend aus einem Geiger, einem Bandonionspieler und einem Schlagzeuger. Getanzt wurde die ganze Nacht durch. Die Mutter von Frau Vogel hatte vorher Kuchen für die Gäste gebacken. Der Eintritt kostete 50 Pfennig. In der Gastwirtschaft befand sich das einzige Telefon im Dorf. Wenn Anrufe für die Dorfbewohner kamen, mußte jemand aus der Gastwirtschaft - oft genug auch Frau Vogel - loslaufen und die telefonische Nachricht dem Betreffenden überbringen. Wenn der Arzt oder Tierarzt benötigt wurde, mußten die Leute immer zum Telefon in die Gastwirtschaft kommen. |
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Bruno Matzat
erzählte mir (Kurt Henning) im April 2010 am Telefon: Die Straßen in Ballanden hatten keine Namen. Die Pfarrer mußten früher zweisprachig sein. Sie mußten deutsch und litauisch predigen können. Wenn die Großeltern von Herrn Matzat sich etwas sagen wollten, was die Enkelkinder nicht verstehen sollten, so unterhielten sie sich litauisch. |
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Ballandzen um 1870
(Quelle: Praesentionstabelle des Amtes Gerskullen Band 9 (Geheimes Staatsarchiv in Berlin-Dahlem) Das Dorf Ballandszen verfügte damals im einzelnen über folgende Flächen: |
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Ackerland
Unland und Wege: Wiesen: Hüthung: Teiche: Bruch und Strauch: Dorf-Wohnstätte: |
18 Huben 9 Huben 7 Huben 1 Hube |
25 Morgen 10 Morgen 9 Morgen 27 Morgen 17 Morgen 17 Morgen 3 Morgen |
200 Ruthen 180 Ruthen 12 Ruthen 185 Ruthen 150 Ruthen 158 Ruthen 15 Ruthen |
| 38 Huben Oletzkoisches Maaß |
15 Morgen | -Ruthen |
| 20 Bauernfamilien und 1 Schulmeister siedelten damals in Ballandszen |
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| Scharwerks-Schultz Christian Thien Schulmeister: Friedrich Keßler Scharwerksbauern: Engelhardt Stangenberg Jacob Schelhammer Michel Pasenau Lenuweitis sen. Jons Awiszus Abries Matzatis George Salomon Christoph Wehmeyer Jons Jonuszaitis |
Valentin Emanuel Martin Lenuwait jun. Michel Thien Christoph Schelhammer Michel Pasenau junior Gottfried Strehl Erdtmann Matzatis Aszmies Matzatis Dolzies Awiszus , Eigen-. . Iner: Enskies Aweszus |
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Der Scharwerks-Schultz und jeder Scharwerksbauer hatte je 1 Hube Land nach Oletzkoischem Maaß. Der Schulmeister verfügte über kein Ackerland. |
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| Ermittelt von Kurt Henning |
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letzte Statistik 1939:
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Ballanden ( Einw. : 263 Fläche :637 ha)
Anmerkung: |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
| Autor : © 2010 Kurt Henning Quelle :Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 87/2010 Seite 51-55 |