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von Karl-Friedrich Grigat
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Anfang August 1941 wurde ich, Karl-Friedrich Grigat, Jhrg. 1935, in Argenfelde Krs. Tilsit-Ragnit eingeschult. Mein Schulweg war der kürzeste aller Schüler der einklassigen Volksschule. Wir, die Grigats, wohnten auf dem Schulgrundstück, im Wohnhaus Tür an Tür mit dem Klassenraum. Zu unserem Grundstück gehörten Stall und Scheune als Selbstversorger. Das Plumpsklo teilten wir uns mit den Schülern. Mein Vater, Lehrer hier in Argenfelde, war seit Anfang Juni Soldat in Rußland. Seine Stellvertreterin, Fräulein Christel Zacharias, Laienkraft, kam täglich mit dem Fahrrad aus dem vier Kilometer entfernten Argenbrück, wo ihr Vater ebenfalls als Lehrer seinen Dienst tat. Bei hohem Schnee im Winter kam das "Fräulein Lehrer" auf Skiern zu uns. |
![]() Volksschule in Argenfelde (Puskeppeln) |
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Wir Schulanfänger schrieben und übten auf einer Schiefertafel mit dem Griffel die deutsche "Sütterlinschrift", beginnend mit dem Buchstaben "i", dann "n" usw.. Die Vorderseite der Schiefertafel war mit Linien, die Rückseite mit einem Karomuster bedruckt. An der Tafel baumelten Schwamm und Läppchen, womit die Tafel sauber oder fehlerfrei gewischt wurde. Zur Grundausrüstung gehörte noch die "Ostpreußische Heimatfibel", ein Lesebuch, auch mit dem Buchstaben "i" beginnend. Ein Schulranzen war zunächst nicht erforderlich. Bei den Schülern der höheren Jahrgänge war dieses natürlich anders. Die Hausaufgaben schrieb Fräulein Z. mit Kreide an die Wandtafel. Wir sollten die Buchstaben in Schönschrift Reihe um Reihe auf unserer Tafel üben. Einfaches Rechnen von 1 - 10 gehörte zu diesen Aufgaben. Am nächsten Schultagmorgen sah sich das Fräulein Lehrer unsere Hausaufgaben an, es gab Lob und Tadel. Einer von uns zeigte eine leere Schiefertafel vor, es war der Bruno S.. Seine Entschuldigung kam prompt, ein fürchterlicher Regen hätte seine Hausaufgaben weggewaschen, alle lachten. Seit Tagen war am Himmel kein Wölkchen zu sehen. |
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Am nächsten Schultagmorgen zeigte Bruno wieder seine leere Tafel vor. Diesmal war seine Entschuldigung noch ausgefallener. Er sagte, ein dichter Nebel im Hohlweg vor der Schule hat seine Hausaufgaben einfach weggewischt. Die ganze Klasse brach in ein schallendes Gelächter aus. Fräulein Z. setzte eine strenge Miene auf und drohte Bruno mit Nachsitzen und Strafarbeit, wenn er wieder mit leerer Tafel erscheint. In der großen Pause, nach dem Frühstücken und Zähneputzen am Brunnen auf unserem Hof, ging ich zu Bruno und bot ihm Hilfe an. Am nächsten Morgen kam er eine Stunde vor Schulbeginn zu mir in den Garten, wo ich in Schönschrift seine Hausaufgaben erledigte. Aber dafür sollte er mich beschützen, falls ich mit anderen Schülern Streit hätte, denn Bruno war für sein Alter sehr stark. Fräulein Z. sah sich seine Hausaufgaben an, schaute zu mir herüber und lächelte, sie kenne diese Schrift. Weiterhin half ich Bruno bei den Schularbeiten, aber nicht mit meiner Schönschrift, sondern ich ahmte sein Gekritzel perfekt nach und so lernte er Schreiben, Rechnen und Lesen. Ich hätte gerne gewußt, was aus ihm geworden ist und wohin er mit seiner Familie geflüchtet ist. |
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Autor: © 2009 Karl-Friedrich Grigat, 21502 Geesthacht,
Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2010 Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz |
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letzte Statistik 1939:
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Argenfelde ( Einw. : 338 Fläche :374 ha )
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |