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von Emil Drockner
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Neu-Argeningken lag 11 km südwestlich von Tilsit an der Chaussee Tilsit-Königsberg. Im Osten und Süden begrenzt von dem Dorf Bublauken (Argenfurt), im Westen von dem Dorf Puskeppeln (Argenfelde) und im Norden von dem Dorf Laukanten (Waldeneck). Neu-Argeningken war ein Kirchdorf mit 850 Einwohnern. Die massive Kirche mit ihrem Zwiebelturm wurde im Jahre 1903 erbaut und stand am nordöstlichen Dorfeingang auf einer Anhöhe etwa 30 m von der Chaussee entfernt, daneben lag das Pfarrhaus. Vor der Kirche war das Kriegerdenkmal mit den Gedenktafeln für die Gefallenen des ersten Weltkrieges. Das Geläute der drei Glocken dieser evangelischen Kirche tönte weit bis in die umliegenden Ortschaften. Im Turm befand sich die Uhr, nach drei Seiten sichtbar, mit ihren Zeigern von 1,20 m Länge. Die Uhr schlug viertelstündlich mit 1-2-3-4-Schlägen und der vollen Stunde. Als erster Pfarrer war in dieser Kirche Pfarrer Trautmann tätig. Als weitere Nachfolger sind zu nennen: Pfarrer Sargun, Pfarrer Buhre, Pfarrer Gatz und bis zur Vertreibung Pfarrer Hermann Braun. Glöckner Dittchrist und später Glöckner Moritz Weiß sind hier tätig gewesen. Zum Kirchspiel Neu-Argeningken gehörten außerdem die Ortschaften Bublauken, Eichendorf, Puskeppeln, Smaledumen, Laukanten und das Gut Lenkonischken. An der Chaussee unweit der Kirche befand sich die dreiklassige Volksschule -erbaut um 1875, war sie ursprünglich zweiklassig, durch einen Erweiterungsbau von 1910 dann dreiklassig. In dieser Schule haben gelehrt: Lehrer Gedamski, Lehrer Hölzner, Lehrer Krakat, Lehrer Ebner, Lehrer Kirst, Lehrer Ziehe, Lehrer Zacharias, Lehrer Wiechert und als Lehrerinnen Fräulein Walter und Fräulein Schimkus. Die Lehrer Krakat, Ziehe und Zacharias waren langjährige Organisten der Kirche. Eine Molkerei (Ufer), zwei Gastwirtschaften und ein Kolonialwarengeschäft waren in Neu-Argeningken in Betrieb. Die ersten Gastwirte waren Gutovsky und Ehleben, die letzten Otto Tonnius und Walter Zilonka. Es darf nicht vergessen werden, auf die Beliebtheit des humorvollen Gastwirts Otto Tonnius hinzuweisen. Er war zu jedermann freundlich und aufgeschlossen, stets hilfsbereit, er war ein Neu-Argeningkener Original. Leider ist er schon 1942 auf seinem zur Gastwirtschaft gehörenden Acker einem Herzschlag erlegen. |
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Schon weit vor dem ersten Weltkrieg bestand in Neu-Argeningken ein gemischter Chor, zunächst unter der Leitung des Lehrers Witt aus Sofienhöhe, später dann unter der Leitung von Lehrer Ziehe, Uschkurat und Zacharias. Viele Sängerfeste und andere Veranstaltungen hat dieser Verein in Neu-Argeningken und in anderen Ortschaften durchgeführt. Als Inhaber der Gastwirtschaft neben der Schule seien hier noch genannt die Gastwirte Max Wallner, Paul Romeike und Krompetz. In der anderen Gastwirtschaft einen Kilometer südwestlich - ebenfalls an der Chaussee - waren noch die Gastwirte Schlawatzky, Kauer, Hiltke und Sakautzky der Reihenfolge nach Inhaber. Neu - Argeningken lag - wie schon der Name sagt - an der Arge. Mitten im Ort überquerte die Chaussee die Arge, und zwar über die gußeiserne Bogenbrücke, die dem später zunehmenden Autoverkehr absolut gewachsen war. Die Chaussee Tilsit-Königsberg wurde in den 20er Jahren - somit auch durch Neu-Argeningken - zu einer breiten und sauberen Teerstraße ausgebaut. Unsere Arge entspringt bei Grünheide, zweitletzte Bahnstation vor Insterburg. In vielen Windungen schlängelt sie sich durch das Land, um dann in die Nemonien zu münden. Die Arge - ein Flüßchen von im Durchschnitt vier Metern Breite und einem Meter Tiefe - war auch für die Einwohner von Neu-Argeningken mit dem Begriff Heimat unzertrennlich verbunden. Hier an der Arge entstanden die ersten Siedlungen, landwirtschaftliche Betriebe, Gärtnereien usw. Zumeist bildete die Arge die Grundstücksgrenze zwischen den Bauernhöfen. Die Anlieger hatten das Recht, in der Arge zu fischen. An Fischen gab es in der Arge Hechte, Plötze, Barsche, Tobaren, Aale und viele Krebse. So mancher Sportangler hat an der Arge in Neu-Argeningken in den herrlichen Tälern viele erholsame Stunden verlebt. |
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Die steilen Hänge waren bewachsen mit Weiden und Erlen sowie mit Eichenbäumen und Haselnußsträuchern. In den Tälern weidete das Vieh auf saftigen Wiesen und die Arge bot eine willkommene Tränke. Viele Singvögel nisteten in den Büschen, die bis in den späten Abend ihr Konzert anstimmten. Im Sommer badete vor allem die Neu-Argeningker Jugend in der Arge. Jedoch im Spätherbst, wenn die Arge über die Ufer trat und der Frost dann alles in eine blanke Eisfläche verwandelte, vergnügte sich jung und alt auf Schlitten und Schlittschuhen. Wenn dann alles zugeschneit war und der Schnee weit über einen Meter hoch lag, wurden herrliche Schlittenfahrten mit Pferden unternommen. Die Pferde waren im Winter gut im Futter und recht übermütig. In Neu-Argeningken befanden sich folgende landwirtschaftliche Betriebe: 0,5-5 ha = 65, 5-10 ha = 30, 10-20 ha = 11, 20-50 ha = 1. Die Gesamtgröße der Gemeinde betrug 529 ha. Dazu gehörte auch das Schulland mit 3,5 ha, das Kirchenland mit 0,5 ha, der Sportplatz mit 0,5 ha, der Dorfanger mit 1 ha und Ödland mit 0,25 ha. Der nordwestliche Ortsteil mit einer Größe von etwa 25 ha, die sogenannte Heide, war purer Sandboden. Hier befanden sich kleine landwirtschaftliche Betriebe, deren Besitzer außer in der Landwirtschaft noch als Maurer, Tischler, Zimmerleute oder im Straßenbau tätig waren. Auch einige Zigeunerfamilien wohnten auf der Heide. Folgende handwerkliche Betriebe befanden sich in Neu-Argeningken: zwei Tischler, vier Schneider, zwei Schuhmacher, zwei Schmiede, ein Stellmacher und zwei Mühlenbetriebe. Auf einer Anhöhe gegenüber der Gastwirtschaft Zilonka, dem sogenannten Mühlenberg, dessen langer Abhang steil zur Arge abfiel, stand eine Windmühle (Bockmühle). Sie war typisch und traditionell für die Neu-Argeningker Gegend. Diese Mühle war von dem Landwirt und Müller Thomas Wallner um 1890 erbaut worden und war - wenn auch in den dreißiger Jahren durch Einbau eines Bockmotors - bis zur Vertreibung in Betrieb. Von 1890 bis 1913 war die Mühle im Besitz von Thomas Wallner, dann übernahm sie der Müller Schaulinski und später der Müller Grickschat. Bis in die dreißiger Jahre wurde auf dieser Mühle besonders im Herbst unter Ausnutzung der Winde Tag und Nacht das Getreide gemahlen, für ein Entgelt von 20 bis 30 Pfennig und zwei Pfund Mehl (Staubmehl) pro Zentner. Ende der zwanziger Jahre kam ein zweiter Mühlenbetrieb dazu. Dieser Betrieb wurde eingerichtet im Speicher der Gastwirtschaft neben der Schule (Tonnius) und wurde durch Elektromotoren betrieben. Inhaber war der Müller Kurt Gudat. Dieser humoristisch veranlagte Müller war als Spaßmacher weit und breit bekannt. |
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Als langjähriger Gemeindevorsteher vor dem ersten Weltkrieg ist zu nennen der Landwirt Weiß, der bis 1918 amtierte. Dann haben die Gemeindevorsteher oft gewechselt, bis Mitte der 20er Jahre der Landwirt Otto Wohlgemuth Gemeindevorsteher wurde und ist es auch bis zur Vertreibung geblieben. Als langjähriger Kassenrendant muß noch hervorgehoben werden der Landwirt August Waschkies. Die landwirtschaftlichen Betriebe bauten auf dem zum Teil lehmigen, jedoch fruchtbarem Boden - außer der 25 ha großen Heide - hauptsächlich Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln an. Außerdem wurde Vieh-, Pferde- und Schweinezucht betrieben. Auch Geflügel aller Art fand man auf den Höfen, und im Spätherbst wurden dann die Gänse und Enten gemästet. Zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn Gänse und Enten zum herrlichen Weihnachtsbraten geschlachtet waren, fand sich die Jugend abwechselnd auf den Höfen zum fröhlichen Federreißen zusammen. Beim Getreidedreschen halfen sich die Landwirte gegenseitig mit Menschen und Pferden. Ein Göpelwerk wurde mit Pferden bespannt und ein Dreschkasten dadurch betrieben -12 bis 14 Personen waren für so ein Dreschen notwendig. Wenn alles ausgedroschen war, gab der betreffende Bauer ein zünftiges Essen mit viel Schnaps und Bier. Das Getreide mußte jedoch noch mittels einer Putzmühle mit Handbetrieb von der Spreu getrennt werden. Hierzu waren drei Personen notwendig. Vor dem ersten Weltkrieg hat man mit Dreschflegeln gedroschen. Ende der 20er Jahre wurden dann diese Arten des Dreschens durch die Dreschkästen mit Vollreinigung und Motorantrieb verdrängt. Es gab überall, so auch in unserem Dorf, während des ersten Weltkrieges schlechte Zeiten. Das Getreide mußte abgeliefert werden und die Müller waren angewiesen, nur einen bestimmten Teil zu mahlen. Das reichte nicht, um den Brotbedarf zu decken. So haben sich die Landwirte dadurch geholfen, daß sie aus passenden Steinen sich eine handbetriebene Mühle bauten (Quirl) und sich damit das Mehl heimlich beschafften. Brot wurde ja immer im Backofen des Herdes oder im großen Kachelofen gebacken. Wenn etwas Brotteig übrig war, wurde daraus ein flaches rundes Brot geformt und mitgebacken. Das war der Flammenfladen, der uns Kindern besonders gut schmeckte. Auch Flachs wurde früher in unserem Dorf angebaut. Im Herbst halfen sich die Landwirte gegenseitig beim Flachsbrechen mit anschließender Flachstalk. |
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Nun gab es in Neu-Argeningken außer dem Gesangsverein noch einen landwirtschaftlichen Verein; einen landwirtschaftlichen Frauenverein und einen Spar- und Darlehensverein. Langjähriger Vorsitzender des letzteren war der Landwirt Friedrich Böttcher. Gleich nach dem ersten Weltkrieg gab es in unserem Dorf auch einen Kriegerverein. Jedes Mitglied mußte Kriegsteilnehmer gewesen sein. Im Winter wurden von der Oberförsterei Wilhelmsbruch und von der Forst Adl. Schilleningken Holzauktionen im Saal der Gastwirtschaft neben der Schule (Tonnius) abgehalten. Der Saal war zumeist brechend voll und bei der meistbietenden Versteigerung ging es hoch her. Einige Käufer waren oft überalkoholisiert und so ist es geschehen, daß ein Landwirt zum Bau einer Scheune Langholz kaufte. Als er am nächsten Tag seinen Knecht und noch ein paar Männer in den Wald schickte, um das Langholz zu holen, wartete er vergebens auf sein Bauholz. Als die Männer nach Hause kamen, hatten sie fünf Kubikmeter Knüppelholz auf dem Schlitten. Die Nummer stimmten mit den Nummern auf den Holzzetteln genau! Und auch eine Pflichtfeuerwehr gab es in Neu-Argeningken. Brandmeister war der sehr originelle Schmiedemeister Hermann Pauluhn. Die Feuerspritze arbeitete noch mit Handbetrieb, das heißt, vier Männer mußten beim Spritzen auf jeder Seite drücken, insgesamt also acht Leute. Die Feuerspritze wurde mit zwei oder vier Pferden bespannt, und im Galopp ging es zur Brandstelle. War der Brand gelöscht, die Feuerwehr eingeteilt, so wurde nun der Durst nachhaltig gelöscht. Brandmeister Pauluhn war in der Beziehung absolut kein Freund von Traurigkeit. Wer kannte ihn nicht schon an seiner grellen Stimme, und fast immer hatte er die Schnupftabakdose in der Hand. Im Spritzenhaus, das mitten im Dorf stand, befand sich auch eine Arrestzelle, wo Trunkenbolde oder sonstige gefährliche Strolche vorübergehend festgehalten wurden. Zwei Landjäger oder Gendarme hatten wir in unserem Dorf. Zwei Dienstgebäude bzw. Dienstpostenhäuser wurden in den 20er Jahren erbaut. Hier sind im Laufe der Zeit stationiert gewesen der Wachtmeister Krause, Kabioll, Frigolla, Bartoleit und Hardt. |
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Direkt neben diesen Gebäuden stand der Versammlungssaal der Baptistengemeinde. "Bethanien" war da über dem Eingang zu lesen. Und auch die Post bzw. eine Postagentur war in Neu-Argeningken in verschiedenen Häusern im Laufe der Jahre untergebracht. Von 1900 bis 1916 war Fräulein Dittchrist Postagentin. Dann bis zur Vertreibung Fräulein Lagerpusch. Fünf Briefträger bestellten von hier aus die umliegenden Dörfer. Etwa 15 sehr weiträumige Dörfer mit einer Gesamttourlänge von 26 bis 40 km pro Bezirk mußten von hier aus bestellt werden. Später wurden dann durch die Verkraftung (Kraftverkehr) die Bezirke verkleinert und man kam mit vier Briefträgern aus. Vor dem ersten Weltkrieg mußte die Post erst vom 7 km entfernten Bahnhof Pamletten geholt werden, zumeist zu Fuß und nannte sich daher Buckelpost. Die am längsten beschäftigen Briefträger waren die Postschaffner Friedrich Lorenz, Hermann Stepputtis, Karl Höfert, Richard Nötzel und Otto Armons bei der Postagentur Neu-Argeningken. Unweit vor der Arge-Brücke war die Gärtnerei Karl Schwark. Dieser Gärtner hatte an den Hängen der Arge große Plantagen angelegt, wo Tomaten und sämtliche Beerensorten bestens gediehen. Dieser modern eingerichtete Betrieb konnte schon im frühen Frühjahr mit Erzeugnissen aus seinen Treibhäusern den Markt von Tilsit beliefern. Zwei Friedhöfe hatten wir in Neu-Argeningken, den Friedhof auf der Heide und den Friedhof auf der sogenannten Uscharg. Auf dem letzteren konnte man Grabstätten aus dem 16. Jahrhundert finden. Wenn Schmiedemeister Krieg - ein Betrieb mit zwei Gesellen und zwei Lehrlingen - das Eisen auf dem Amboß schmiedete, daß es weit hörbar war, dazwischen der Glockenschlag der Kirchturmuhr die Stunde meldete, wenn im Winter nachts der Schneesturm um die Häuser fegte und bei klarem Frost der Fuchs im nahen Forst heulte und dazu die Hofhunde ihr Gebell anstimmten, dann war das unser unvergeßliches Neu-Argeningken. |
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Nachtrag:
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Im Februar des Jahres 1925 brannte das Pfarrhaus. Der Brand begann um etwa 9 Uhr morgens, und es herrschte ein Frost von über -30 Grad. Pfarrer Trautmann hatte versucht, die eingefrorenen Wasserleitungen aufzutauen. Es gab in Neu-Argeningken noch keine Wasserleitung im heutigen Sinn, jedoch auf dem Dachboden des Pfarrhauses befand sich ein größerer Wasserbehälter, der mittels einer auf dem Hof befindlichen Pumpe von Zeit zu Zeit vollgepumpt wurde. Brandmeister Hermann Pauluhn war mit der Feuerspritze und seinen Mannen als erster an der Brandstelle. Bald darauf rückte auch die Feuerwehr von Tilsit an. Die größte Schwierigkeit bestand nur darin, daß kein Wasser zum Spritzen vorhanden war. Die Arge war fest zugefroren, und so mußten zunächst einige Männer das 0,50 m dicke Eis mit Äxten auf der Arge durchschlagen. Mindestens 50 Bauern aus Neu-Argeningken und Umgebung wurden alarmiert. Das Wasser aus der Arge wurde nun mittels pferdebespannter Kiewen zur Brandstelle gebracht. Kiewen - das sind einfache Schlittenkufen, auf denen Tonnen montiert waren. Mit diesen Kiewen wurde auch im Sommer das Wasser zu Brandstellen gebracht. Die Tonnen standen im Kiewenhaus. Bei den Löscharbeiten des Pfarrhauses waren über 200 Männer im Einsatz. Zur Erwärmung versorgte Pfarrer Trautmann persönlich die Männer mit Schnaps. Dem Pfarrer sowie auch den meisten Männern hingen Eiszapfen an den Barten. Der Brand kam dank des tapferen Einsatzes aller Beteiligten nicht richtig zum Ausbruch. Der entstandene Sachschaden konnte dann in den nächsten Monaten beseitigt werden. Das Pfarrhaus blieb erhalten. |
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Am Abend, als alles vorüber war, stärkte man sich bei einer zünftigen Erbsensuppe und vor allem bei einem steifen Grog im nahen Gasthaus. Brandmeister Pauluhn, der schon diverse Grogs getrunken hatte, hielt mit einer alles übertönenden Stimme einen sehr zum Schmunzeln anregenden Vortrag über den genialen Einsatz seiner Feuerwehr. Jedoch so mancher der Beteiligten hat an diesem eisigen Wintertag Nase und Ohren angefroren. Hermann Pauluhn ist 1945 mit seiner Frau auf der Flucht 20 km von Neu-Argeningken entfernt von den Russen eingeholt worden. Sie sind nach Neu-Argeningken zurückgezogen und deshalb verhungert, nachdem sie von ihrem 45 Morgen großen Hof getrieben worden waren. Der Turm unserer Kirche ist 1945 von den Russen abgeschossen worden. Die Bänke aus der Kirche hat man nach Tilsit gebracht als Sitzgelegenheiten für Teilnehmer an sowjetischen Sportveranstaltungen. Die herrliche Orgel und die wunderbaren Glocken, unter deren Klängen den dort wohnenden Menschen Freud und Leid verkündet wurde, haben die Sowjets zertrümmert. Jedoch die Äcker und die Wiesen, wenn auch von Unkraut und Gestrüpp überwuchert, bleiben, und die Arge fließt weiter mit ihrem klaren Wasser durch Neu-Argeningken. |
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Autor: © 1996 E. Drockner, 14165 Berlin
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 59/1996 und Nr. 60/1997 |