Ostpreußen bittet zu Tisch

Beetenborschtsch (Eintopfgericht) Gekröse (Gänseklein) Glumstorte (Quarktorte) ohne Boden
Graschelchen Ermländische Schinkenpastete Kokelinske Klunkermus (Suppe)
Markstörtchen Mohnstriezel Spirgels Schmandschinken
Schmandheringen Schuppnis Schustersauce (Schmunzelsauce)

Aus Mutter´s Kochbuch
Unser liebes Muttche kochte
Was ein jeder mochte
Und darum gab es zu Hause
Allerlei zum guten Schmause.

Beetenbartsch mit Bauchstück dran
Damit fing die Woche an
Schwarzsauer und Wickelfüße
Waren himmlische Genüsse.

Schmunzelsoß' und Glums und Schmand
War'n des Glücks schon allerhand
Kruschkemus und Appelflinsen
Dabei könnt das Herzche grinsen.

Schruddel, Schrotbrei, Karmenad
Dicker Reis mit Muschkebaad
Kachelinskes, Pflaumenkeilchen
Jeder kriegt sein gutes Teilchen.

Pomuchelsköppe und die Stint
Auch nicht zu verachten sind
Flammfladen und Raderkuchen
Müßt heut jeder mal versuchen.

Brennsupp, Klunker-, Kleckermus
Sauerkumst mit Schweinefuß
Schmandhering mit Zippelscheiben
Dabei konnst rein huckenbleiben.
Un de Glumskäschen nu erst
Daß die Augen foorts verkehrst
Pankook aber gab es auch
Mit viel Prieslauch, das war Brauch.

Graue Erbsen mit viel Speck
Dir blieb rein die Puste weg
Und auch Glumbs und Appelfladen
Waren ihr stets gut geraten.

Grützwurst, dick und ringelweis
Un de Wurstsupp, fett und heiß
Und so gab's noch viele Sachen
Die dem Magen Freude machen.
Zodderklops zum Beispiel auch
War'n was Gutes für den Bauch.

Ja, das ist schon lange her
Und de Muttche lebt nicht mehr
Ach, noch mal zu Hause hucken
Und in Muttches Toppe kucken
Vitamin und Kalorien
Frisch von der Natur beziehen
Statt sie tiefgekühlt bequemen
Plastiktüten zu entnehmen
Ja, e'ostpreußischer Magen
Könnt so allerhand vertragen.


aus "Land an der Memel" ( Verfasser unbekannt)

Beetenborschtsch

5 große Beeten weichkochen, dann reiben und mit Essig beträufeln (bleibt rote Farbe).Extra wird 1 Pfund fettes Rind-Suppenfleisch mit Zwiebeln, Pfeffer und Gewürzkörnern sowie Lorbeerblatt und Salz gargekocht; dann gibt man die roten Beeten dazu, kocht alles zusammen durch. Nun wird das Ganze mit 2 EßlöffelnWeizenmehl und 1/4 Liter saure Sahne angerührt, dann mit einem Eßlöffel Zucker abgeschmeckt.


Gekröse (Gänseklein)
Zutaten:
1 mittleres Gänsegekröse; 1 1/2 l Wasser; 2-3 Zwiebeln; 4-5 Gewürzkörner;
1 Teel. Majoran, Streupfeffer; Zucker; Salz
1 gehäufter Teel. Mondamin oder 1 Teel. Reibbrot, 750 g Kartoffeln

Das gut gesäuberte, gewaschenen Gekröse, das man bereits klein gemacht in Geflügelläden kaufen kann, mit kaltem Wasser, klein geschnittenen Zwiebeln, Gewürzkörnern, Salz und Majoran aufsetzen und so lange kochen, bis der Magen des Gekröse weich ist.
Nun Fleisch herausnehmen und in eine vorgewärmte Terrine legen, Brühe durch ein Sieb gießen, mit 1 Prise Pfeffer, Zucker, Salz abschmecken. - Suppe mit Mondamin (vorher in Wasser verrühren) leicht anbinden. Man kann auch statt des Mehls einen guten Teelöffel Reibbrot hineingeben und durchkochen lassen. -
Die separat gekochten Salzkartoffeln legt man nach Belieben in seinen Teller. Fleisch auf kleinen Tellern dazureichen.


Glumstorte (Quarktorte) ohne Boden
Sie übertrifft noch den Glumsfladen an Wohlgeschmack. Backen Sie sie einmal nach einem erprobten alten Familienrezept.

Zutaten:

250g Butter oder Margarine, 5 Eigelb, 375g Zucker, 2 Eßl. Grieß, 1 kg einfache Glumse (Quark), 1 Zitrone, 1 Backpulver, Reibbrot.

Zubereitung:

Butter oder Margarine schaumig rühren, Eigelb und Zucker dazugeben, weiter schaumig schlagen. Grieß unterrühren. Die Glumse löffelweise zufügen. Schließlich den Saft und die abgeriebene Schale einer Zitrone und als letztes das Backpulver hineingeben. Den Teig gut rühren, bis er Bläschen schlägt. In eine gefettete, mit Reibbrot bestreute Tortenform füllen.

Backzeit ungefähr 1 Stunde.


Graschelchen

Vom Tage vorher abgekochte Pellkartoffeln schälen und zu Brei verarbeiten,
dann etwas Salz zugeben, mit einigen Löffeln Weizenmehl durchkneten, Bällchen formen, flach drücken und von beiden Seiten in Fett braten.Mit Zucker bestreuen und fertig ist das Abendbrot. Man kann sie auch mit Sultaninen verfeinern oder mit Quark.


Ermländische Schinkenpastete
Zutaten :

200 g gekochter Schinken in Scheiben, 250 g Kalbfleisch aus der Keule, 125 g fettes Schweinefleisch, 1 Brötchen in 1 Glas Weißwein aufgeweicht, 1 Ei, 1 Eigelb, 1 Flasche Weißbier,
100 g Champignons, 10 Perlzwiebeln, 3 Gewürzkörner, 2 Gewürznelken, Pfeffer, Muskat.

Das Schweinefleisch in Würfeln schneiden, leicht salzen und pfeffern, mit Weißbier bedecken, mit den geschnittenen Zwiebeln und Champignons 40 Minuten leise dünsten lassen, dann das gewürfelte Kalbfleisch dazugeben und noch weitere 50 Minuten auf kleinem Feuer weiterkochen. Die Brühe muß sämig und kräftig sein. Fleisch und Zwiebeln und Pilze durch den Fleischwolf geben, Brühe mit Ei und Eigelb verquirlen, das Brötchen und das durchgedrehte Fleisch dazugeben, kräftig abschmecken.
Eine Pasteten- oder Tortenform mit Alufolie auslegen, eine fingerdicke Schicht von der Fleischmasse einfüllen, darüber eine Schicht Schinkenscheiben und so fort, bis alles verbraucht ist. Mit Folie abdecken und eine Stunde bei Mittelhitze im Ofen backen.Halb abgekühlt stürzen, kalt mit Toast und Butter reichen.


Kokelinske

Eine große Schüssel rohe Kartoffeln reiben, etwas Salz und 10 Zwiebelscheibchen verrühren und auf ein Blech tuen. Teig muß fingerdick sein.Dann legt man dünne Speckscheiben rauf, kann auch abwechselnd durchgewachsener Speck sein, aber ziemlich dicht belegen. Nun kommt das Ganze in die Backröhre, braucht viel Hitze und muß braun sein


Klunkermus
Zutaten für 4-6 Portionen:
1 l Milch; Salz; 40 g Zucker; 1 Päckchen Vanillezucker; 1 Ei; 100 g Mehl; 2-3 EL Butter

Die Milch mit etwas Salz, Zucker und Vanillezucker zum Kochen bringen. Inzwischen das Ei mit dem Mehl verrühren, etwas Wasser in die Masse tropfen lassen, so dass sich Klümpchen (Klunker) bilden. Diese unter Rühren in die kochende Milch geben, die Hitze herunterschalten. Die Klunker in etwa 5 bis 10 Minuten unter rühren garen.
Vor dem Servieren die Butter in der Suppe zergehen lassen.

"Mus´ch macht lustig, aber schwach auffe Beine" Mit dieser Redensart ist schon gesagt, dass die Suppe nicht stark sättigend ist.


Markstörtchen
Allein der Name weckt bei allen Ostpreußen Kindheitserinnerungen und zaubert verklärte Gesichter.

Zutaten:

150g Butter, 250g Mehl, 2 Eier, 375g Zucker, Salz, 1 kleiner Eßl. Rum, 150g süße und 4 bittere Mandeln, 1 TL Wasser, 2 Eiweiß, 125g Marmelade.

Zubereitung:

Zuerst einen Mürbeteig für die Törtchenböden bereiten: Butter sahnig rühren, Mehl zufügen, desgleichen Eier, 125g Zucker, 1 Prise Salz und Rum. Teig gut kneten und kalt stellen.

Während der Teig erkaltet, die Makronenfüllung bereiten: Mandeln brühen, abziehen, reiben, mit 250g Zucker und Wasser gut vermengen, zuletzt das geschlagene Eiweiß unterrühren. - Danach den erkalteten Teig dünn ausrollen und in die gut gefetteten kleinen Törtchenformen drücken. Etwas Teig zur Verzierung übriglassen. Die Formen mit Marmelade dünn ausstreichen, darauf mit der Makronenmasse die Formen dreiviertel vollfüllen. Den Rest des Teiges in schmale Streifen schneiden und gitterartig auf die Törtchen legen.

Bei mäßiger Hitze etwa 35 Minuten braun backen.


Mohnstriezel
Zutaten:

375 g Mohn; 50 g Hefe; 1/4 l Milch; 100 g Zucker; 500 g Mehl;
1 Handvoll süße Mandeln; 6 Eier; 1 Handvoll Rosinen; 3-4 EL Rosenwasser;
1 EL Butter; 1 Päckchen Vanillezucker; 1 TL Bachpulver oder aufgegange Hefe; Salz;
250 g Margarine, Puderzucker

Zunächst den Mohn mit reichlich Wasser etwa 30 Min. brühen. -
Dann die Hefe mit 1/8 l lauwarmer Milch, 2 Messerspitzen Zucker und 6 EL Mehl zu einem lockeren Hefestück anrühren. Mit Mehl leicht bestreuen und bei 30 bis 40 Grad zugedeckt aufgehen lassen. -
Den gebrühten Mohn auf ein Sieb schütten, kaltes Wasser überspülen und gut abtropfen lassen. Nun den Mohn mit den abgezogenen Mandeln zweimal durch die Fleischmaschine drehen; 2 Eier, 1 EL Mehl mit darruntergerührten Rosinen, den Zucker, Rosenwasser, zerlassene Butter und Vanillezucker dazugeben. Zum Schluß einen TL Backpulver oder aufgegangene Hefe. -
Nun das Mehl (ein wenig zurückbehalten ! ) in einer tiefen Schüssel mit 3 Eiern, einer Prise Salz, dem Rest der lauwarmen Milch und dem aufgegangenen Hefestück locker schlagen. Danach Margarine zugegen und gut in den Teig mit nassen Händen einkneten. Falls nötig, noch etwas Mehl zufügen bis der Teig sich rollen läßt, ihn fingerdick ausrollen und mit einem Eiweiß bestreichen. Darüber die Mohnmasse gleichmäßig verteilen, die Teigplatte zusammenrollen. 
Aus der ganzen Masse 2 Mohnstriezel bereiten, zum Aufgehen stellen, und sie vor dem Backen mit einem in etwas kaltem Wasser gequirlten Eigelb überziehen und auf einem mit dem Rest Mehl bestreuten Backblech bei starker Hitze etwa 30 Minuten backen.
Nach dem Abkühlen den Kuchen mit Puderzucker bestreuen.


Spirgels
"Weißt noch, was e Spirgel ist?" "Nei", sagt
jeder von de Junge, doch die Alten ganz gewiß,
schnalzen mit der Zunge.
..
Doch nu will ich es verraten: Speck durchwachsen,
Zwiebeln rein, prischeln in der Pfann´gebraten
kann es eine Wonne sein
..
Wenn die Keilchens beispielsweise wurden damit
iebergossen, gab es eine deft´ge Speise-
Ach, wie hab´n wir das genossen.
..
So - ich wollt´ eich mal verfiehren,
falls ihr alles schon vergessen.
Spirgels müßt ihr mal probieren!
Wieder einmal Spirgels essen!

Schmandschinken
Zutaten:

4 Scheiben geräucherten Landschinken (etwa je 100 Gramm); 1 Tasse Milch; 3 Eßl. Butter;
1/8 l saure Sahne; 1 Teel. Mehl; Zucker, Pfeffer, Salz.

Die Schinkenscheiben 2 Stunden vor dem Braten in Milch legen, dann auf einem Sieb abtropfen lassen, klopfen. in der Bratpfanne Butter auslassen und bräunen, Schinken auf beiden Seiten in ein paar Minuten braten, herausnehmen und in eine vorgewärmte Schüssel legen. Sahne bis auf einen kleinen Rest dem Brattfett beifügen. Die gebräunte Soße mit ein wenig Mehl und dem Rest der Sahne - falls notwendig - bündig machen, mit einer Prise Zucker und Pfeffer, Zitrone und Salz abschmecken, über das Fleisch gießen.
Dazu Salzkartoffeln reichen. Zum Schmandschinken gehört grüner Schmand- oder Gurkensalat mit etwas Zitronensaft.


Schmandheringen
Zutaten:

6 Fett- oder Matjesheringen; 1/2 l saure Sahne; 1 Apfel ; 1 Zwiebel; Pfeffer, Zucker, Zitronensaft, Schnittlauch
eventuell: 250 g Kalbfleisch, Suppengemüse, 1 Zwiebel, Salz, 3 Gewürzkörner

Die Heringe gut säubern , enthäuten, entgräten und 24 Stunden in Wasser legen, damit das Gericht nicht zu salzig wird. Danach Wasser abgießen, die Heringe noch einmal spülen, nach Belieben in kleine oder größere Stücke schneiden, sauren Schmand (Sahne) darüber gießen, einen geschälten , entkernten, gewürfelten Apfel hineingeben und eine gehackte Zwiebel, die zuvor mit kochendem Wasser überbrüht wurde (Sie ist so leichter verträglich). Mit Pfeffer, einer Prise Zucker und evtl. ein wenig Zitronensaft abschmecken. Vor dem Anrichten gehackten Schnittlauch darüber schütten.
..Salz- oder kleine Pellkartoffeln und Fruchsalat dazureichen. ..Das Gericht kann noch verfeinert werden, indem man 250 g Kalbfleisch, klein geschnitten, hineinmischt. Das Kalbfleisch wird zuvor mit Suppengemüse, einer Zwiebel, Salz und Gewürzkörner gekocht.


Schuppnis
Zutaten für 6 bis 8 Portionen: 

500 g gelbe Erbsen; 4 Zwiebeln; 5 Gewürzkörner; Salz; 1 EL Majoran; 1 Schweinskopf geräuchert (oder 800 g Schweinefleisch geräuchert) 1 kg Kartoffeln; Pfeffer

Die Erbsen waschen und über Nacht in 1 1/2 l Wasser einweichen. Die Erbsen im Einweichwasser mit den kleingeschnittenen Zwiebeln, den Gewürzkörnern, Salz, dem Majoran und dem Schweinskopf weichkochen. In einem anderen Topf die geschälten Kartoffeln in Salzwasser garen, abgießen und abdämpfen. Fleisch und Erbsen sind ungefähr zur gleichen Zeit gar. Das Fleisch aus der Brühe nehmen, etwas abkühlen lassen, von den Knochen lösen, die Schwarte abschneiden. Das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden. Die Kartoffeln zu den Erbsen geben und beide zu Brei zerstampfen. Dann das Fleisch in den Brei geben und noch einmal mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Schuppnis ist ein altes ostpreußisches Fastnachtessen, das besonders gern im Nordosten Ostpreußens gekocht wurde. Das Wort stammt aus der litauischen Sprache ( lit. sinpinys) Statt des geräucherten Schweinskopfes kann übrigens auch Rauchfleisch genommen werden. In einer anderen gängigen Schuppnis-Variante werden vor dem Servieren " Spirgel", das sind ausgebratene Speckwürfel, über den Erbsenbrei gegeben,, zu dem dann auch noch " Kumst" ( ganz normales Sauerkraut) serviert wird. Und im Memelgebiet wurde der Schuppnis mit Gerstengrütze oder Haferflocken angedickt.


Schustersauce (Schmunzelsauce)
Zutaten für sechs Personen :

150 g durchwachsener Speck (geräuchert); 5 Zwiebeln 1 EL Mehl; 1 Tasse Milch;
1 Tasse Fleischbrühe; 6 EL süße Sahne, 3 EL sauere Sahne; 1 EL Zitronensaft; 1 TL Zucker; Pfeffer, Salz

Den Speck würfeln und ausbraten. Die würfelten Zwiebeln zugeben und bräunen. Dann das Mehl zugeben und mit anrösten. Anschließend mit Milch und der Brühe ablöschen. Die Sauce gut durchkochen lassen, jetzt mit der Sahne verfeinern. Mit Zitronensaft, Zucker, Pfeffer und Salz pikant abschmecken.

Die Schustersauce wird in Ostpreußen besonders gern zu Kartoffelkeilchen (Kartoffelklößen) gegessen. Sie passt natürlich auch zu einfachen Salz- oder Pellkartoffeln.




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letzte Änderung dieser Seite : Montag, 1. März 2010