Immanuel Kant (1724 - 1804)
Darstellung seines Lebens


"Meine Eltern aus dem Handwerksstande in Rechtschaffenheit, sittlicher Anständigkeit und Ordnung musterhaft, ohne ein Vermögen, aber doch ohne Schulden zu hinterlassen,... haben... mir eine Erziehung gegeben, die von der moralischen Seite betrachtet gar nicht besser sein konnte, und für welche ich bei jedesmaliger Erinnerung an dieselbe mich mit dem dankbarsten Gefühle gerührt finde. Ich werde meine Mutter nie vergessen. Sie pflanzte und nährte den ersten Keim des Guten in mir, sie öffnete mein Herz den Eindrücken der Natur; sie weckte, und erweiterte meine Begriffe, und ihre Lehren haben einen immerwährenden , heilsamen Einfluß auf mein Leben gehabt. "
Geburt, Taufe und Herkunft

"Anno 1724 den 22ten April, Sonnabends des Morgens um 5 Uhr ist mein Sohn Emanuel in diese Welt geboren und hat den 23ten die heilige Taufe empfangen. Gott erhalt' ihn in seinem Gnadenbunde bis an sein seliges Ende um Jesu Christi willen! Amen."

Mit diesen Worten hielt die Mutter Immanuel Kants die Geburt ihres Sohnes in ihrem "Hausbuch" fest.

Er wurde als viertes von neun Kindern geboren. Das erste Kind der Familie, ein Mädchen, kam tot zur Welt, ein Bruder und eine Schwester starben sehr früh, nur seine um fünf Jahre ältere Schwester Regina, zwei der nach ihm geborenen Töchter der Familie und sein jüngerer Bruder Heinrich überlebten die Eltern.


Der Domplatz

Die Geburt erfolgte zu Hause, Vordere Vorstadt 22. Die Taufe "Emanuels" - der Name geht auf den Tagesnamen im altpreußischen Kalender zurück - fand bereits einen Tag später in der "Thum"- Kirche, im Dom auf der Kneiphof-Insel statt. Unter den sechs Taufpaten waren vier Männer ( ein Gürtler, ein Gerichtsverwandter, ein Kleinkaufmann, ein Kupferschmied aus Memel) und zwei Frauen (Jungfer Dörren und Frau Wolfin). Später, nachdem Kant Hebräisch gelernt hatte, nannte er sich "Immanuel", weil er dies für die korrektere Vokalisation seines Namens hielt. Das Wort bedeutet: "Gott mit uns!" Die Schreibweise des Familiennamens wechselte (auch Cant, Kandt), Kant selbst schrieb immer "Kant".

Kants Vorfahren väterlicherseits stammten aus Kurland, einer Landschaft nördlich von Memel. Die "Kurische" Nehrung erinnert an den Stamm der Kuren. Urgroßvater Richard Kant besaß einen Krug in Ruß bei Heydekrug. Großvater Hans Kant war Riemermeister in Memel. Kants Vater Johann George Kant, ebenfalls Riemermeister, siedelte nach Königsberg über. Die Vorfahren Kants mütterlicherseits stammten aus Franken. Der Vater seiner Mutter, Anna Regina Reuter, war von Beruf auch Riemermeister. Kants Eltern hatten am 13. November 1715 in Königsberg geheiratet.

Riemer beschäftigten sich mit der Bearbeitung von Leder. Sie fertigten Sattelzeug für Schlitten- und Kutschenpferde, Gurte und Zügel, Zaumzeug und Geschirrzeug an.


Schulzeit
Als Fünfjähriger wurde Immanuel Kant in die Schule der Vorstädtischen Hospitalskirche, die Schule des Sankt- Georgs- Hospitals aufgenommen. Bei Lehrer Ludwig Boehm, einem Kandidaten der Theologie, der auch die Aufgabe hatte, im Gefängnis Besuche zu machen, lernte er die Grundlagen des "Lesens, Schreibens und Rechnens" zusammen mit anderen Kindern aus seiner Nachbarschaft.

Bereits mit acht Jahren wechselte er auf den Rat des Pfarrers und Professors Franz Albert Schultz, dessen Bibelstunden und Gottesdienste Kants Mutter besuchte, auf das "Collegium Fridericianum", das Friedrichskolleg. Es lag auf der "Burgfreiheit" in der Nähe des Schlosses.

Auf dieser Schule lernte er gründlich die alten Sprachen, erwarb eine genaue Bibelkenntnis, dazu Kenntnisse in Mathematik, Geographie und Geschichte. Die Schule wurde vom damaligen Pietismus bestimmt. Sie nahm adlige wie auch bürgerliche Kinder auf, die in der Regel auf höhere Ämter im zivilen Leben wie in der Kirche vorbereitet wurden. Für Immanuel Kant bedeutete der Besuch dieser Schule eine Gelegenheit zu sozialem Aufstieg. Viele Kinder wohnten in der Schule, Kant wohnte zu Hause.

Bereits um 7 Uhr begann der Unterricht und endete erst um 16 Uhr am Nachmittag. Von 11 Uhr - 13 Uhr gab es eine Mittagspause. Es wurde an allen Wochentagen unterrichtet, Ferien gab es nur wenige um die großen kirchlichen Festtage. Schließlich besuchten die Schüler am Sonntag noch die Kirche und nahmen anschließend am Religionsunterricht teil.

Mit sechzehn Jahren verließ der junge Kant die Schule, um zu studieren.

Das Collegium Fridericianum

1698 gründete Theodor Gehr, 1663 -1705, gebürtig aus Christburg/Ostpreußen, Student der Theologie und der Juristischen Wissenschaft in Königsberg, eine Lateinschule in der Teilstadt Löbenicht. Bereits 1699 gründete er auch eine erste Schule für arme Kinder der Stadt, die später für die Entwicklung des Volksunterrichtes wichtig wurde.

Nach seiner Selbstkrönung erlaubte König Friedrich I. dem kurfürstlichen Holzkämmerer Gehr, die Schule unter dem Namen "Collegium Fridericianum" zu führen.

Wahlspruch der Schule war: "Pietas fundamentum omnium virtutum", ("Die Ehrfurcht vor Gott ist das Fundament aller Tugenden!") Erster Direktor des Collegiums war der Theologe und spätere Professor der Universität, Heinrich Lysius, (1670-1731), der aus Flensburg nach Königsberg gekommen war.


Collegium Friedericianum

Theodor Gehr war mit dem Gedankengut der Pietisten Philipp Jakob Spener und August Hermann Francke in Berührung gekommen. Ziele der Schule waren daher die "Errettung der Schützlinge aus ihrem geistlichen Verderben" und die Vermittlung einer humanistischen Bildung.

Je nach ihren Fähigkeiten und Kenntnissen waren die Schüler in verschiedene Klassen eingestuft. Jede Fachstunde begann mit einem Gebet, vor der Mittagspause und zum Abschluss am Nachmittag wurde ein Liedvers gesungen. Selbst beim Essen gab es kein Abschalten von der Schule: Ein Lehrer las "etwas Nützliches" vor. Unterrichtsstoffe in den verschiedenen Klassen waren: Theologie, Latein, Griechisch, Hebräisch, Logik, Philosophiegeschichte, Kirchengeschichte, Mathematik, Gesang und Schönschreiben. Das Alte Testament und das Neue Testament standen beim Lehrstoff im Vordergrund. Später folgten die griechischen und lateinischen Schriftsteller. Kant liebte besonders das Fach Latein bei Lehrer Johannes Friedrich Heydenreich, den er bis ins hohe Alter verehrte. Als Wahlfach lernte er noch Französisch. Die Schule legte in allen Fächern wert auf die "Kultur des Gedächtnisses", auf das Wiederholen der Stoffe.


Kindheit in der Vorstadt

Wie bei vielen Städten des Mittelalters so entstanden auch in Königsberg vor den Stadtmauern Wohngebiete, die aus früheren Gärten und landwirtschaftlichen Betrieben hervorgingen. So hatte der Kneiphof seine Vorstadt südlich des Pregels. Über zwei Brücken, die Grüne Brücke und die Köttel - Brücke konnte man in die Vordere Vorstadt gelangen. Fünf Jahre wohnte die Familie Kant Vordere Vorstadt 22 in einem Haus mit drei Geschossen auf einem schmalen, aber tiefen Grundstück mit einer Scheune, einem Garten und einer Wiese. 1733, der Schwiegervater von Johann Georg Kant war vier Jahre zuvor verstorben, zog die ganze Familie zur verwitweten Schwiegermutter in ein nicht weit entferntes Haus auf der Sattlergasse. Hier wohnten die meisten Riemer und Sattler, doch das Haus war wahrscheinlich kleiner als das Geburtshaus Kants. In der neuen Umgebung erlebte Immanuel Kant ständig Streitereien unter den Handwerkern, unter denen sein Vater auch wirtschaftlich litt.

Die Situation verschlechterte sich noch mehr, als Anna Regina Kant früh starb, Immanuel war 13 Jahre alt. Sie wurde "still und arm" begraben, d. h. ohne einen Trauerzug. Zum Glück kam von anderen Familienmitgliedern manche Unterstützung, z. B. Brennholz, und Immanuel Kants Ausbildung wurde von einem Onkel, einem Bruder seiner Mutter, der Schuster war, finanziert. Er nahm später auch den jüngsten Bruder, Heinrich, in seine Familie auf.

Der Kontakt zu den Geschwistern war bei Kant nicht besonders ausgeprägt, selbst auf Briefe seines Bruders, als dieser Pfarrer in Mitau war, reagierte er selten. Waren sie aber in Not, half er ihnen, als er dieses konnte.

Königsberg zur Zeit Kants

Zur Zeit des jungen Kant hatte Königsberg etwa 40.000 Einwohner, war nach damaligen Verhältnissen eine große Stadt, Berlin hatte nur 20.000 Einwohner. Nachdem König Friedrich Wilhelm I. die drei Städte Königsberg - Altstadt, - Löbenicht und - Kneiphof 1724 zusammengelegt hatte, es auch nur eine Verwaltung gab, veränderte sich das Gesicht der Stadt rasch. Die Stadtmauern um die drei Teilstädte fielen, die Bevölkerung nahm zu, 1732 kamen die Salzburger Emigranten in die Stadt. Sie brachten aus ihrer Heimat viel handwerkliches Können mit und förderten den schon regen Handel der Stadt. Die günstige Lage zur Ostsee und die alten aus der Hansezeit stammenden Handelswege ins Baltikum und in den europäischen Osten machten die Stadt zu einem Wirtschaftszentrum für eine sehr große Region. 1788 zählte Königsberg über 300 Straßen und Plätze, 4400 Häuser, 590! Speicher und 10 öffentliche Waagen, 6 Märkte, 1.000 Ställe, 136 öffentliche und 1.400 private Brunnen, eine Fülle von städtischen Äckern und Wiesen, 15 Vorwerke und zehn Dörfer, 39 Mühlen unterschiedlichster Art, städtische Parks und Gärten, aber auch 2 Rathäuser und die Universität, 23 Kirchen und sieben Schulen, drei Buchdruckereien, zwei Buchläden, 24 Stifte, sechs Hospitäler und Lazarette, vier Pesthäuser und zehn Apotheken, drei Armenhäuser, ein Waisenhaus und vier Gefängnisse und ein Zuchthaus.


Königsberg (Pr)

Wichtig waren der Hafen und die Werften, Kräne sowie Magazine für Getreide, Salz und Pottasche, Holzwiesen zum Lagern von allerlei Hölzern. Unendlich zahlreich waren die privaten Brauhäuser, Fische wurden auf den Pregelbrücken verkauft, dazu kamen diverse Manufakturen, u.a. auch die Bernsteindreher, Silberschmiede und Zinngießer. Da zur Einwohnerschaft Angehörige verschiedener Nationalitäten gehörten ( Polen, Russen, viele Menschen aus dem baltischen Raum, Mennoniten aus den Niederlanden, Hugenotten aus Frankreich, Kaufleute aus England), kann man das Königsberg des 18. Jahrhunderts durchaus als "multikulturell" bezeichnen ( Kühn ).

(Aus: Johann Georg Krünitz "Enzyklopädie von 1788")

Kant über seine Zukunft im Jahre 1746

"Ich stehe in der Einbildung, es sei zuweilen nicht unnütze, ein gewisses edles Vertrauen in seine eigene Kräfte zu setzen. Eine Zuversicht von der Art belebt alle unsere Bemühungen und ertheilt ihnen einen gewissen Schwung, der der Untersuchung der Wahrheit sehr beförderlich ist. Wenn man in der Verfassung steht, sich überreden zu können, daß man seiner Betracttung noch etwas zutrauen dürfe, und daß es möglich sei einen Herrn von L e i b n i z auf Fehlern zu ertappen, so wendet man alles an, seine Vermuthung wahr zu machen. Nachdem man sich nun tausendmal bei einem Unterfangen verirrt hat, so wird der Gewinnst, der hierdurch der Erkenntniß der Wahrheiten zugewachsen ist, dennoch viel erheblicher sein, als wenn man nur immer die Heeresstraße gehalten hatte.

Hierauf gründe ich mich. Ich habe mir die Bahn schon vorgezeichnet, die ich halten will. Ich werde meinen Lauf antreten, und nichts soll mich hindern ihn fortzusetzen."

(Ak. Ausg. Bd. 1, S.10.)


Studentenzeit

Martrikelbuch

Am 24. September 1740 wurde Kant Student der Universität Königsberg. Als er an diesem Tage als "Emanuel Kandt" in die Matrikel eingetragen wurde, war dies der Beginn einer lebenslangen Verbindung zu dieser Institution. Zur Aufnahme gehörte es, dass Kant versprechen musste, sich der Universitätsordnung zu unterwerfen. Ansonsten war er endlich von der ständigen Reglementierung frei, der er sich in seiner Schulzeit unterwerfen musste.

Zur Aufnahme in die Universität gehörte auch eine Prüfung. Dazu musste er die ersten dreißig Kapitel des 1. Buches Mose im Hebräischen beherrschen, zwei Evangelien in der griechischen Sprache gut kennen und über Cicero lateinisch berichten können. Er musste Bescheid wissen in der Geographie und der Geschichte, erstaunlicher Weise nicht über Mathematik und Naturphilosophie.

Als Kant mit 16 Jahren sein Studium aufnahm, konnte er von seinem Vater wenig Unterstützung erwarten. Lediglich auf etwas Hilfe des Onkels konnte er bauen. Darum versuchte er, sich selbst etwas Geld dazu zu verdienen. Dazu zog er zeitweilig mit seinem Freund Johann Heinrich Wlömer zusammen und erteilte anderen Studenten Nachhilfe - Unterricht. Entweder erhielt er dafür Geld oder auch schon mal Luxusartikel wie Kaffee und Weißbrot. Und er erspielte sich Geld beim Billardspiel, das er wohl vorzüglich beherrschte.

Als niemand mehr mit ihm und seinen Freunden spielen wollte, verlegte er sich auf "L´ hombre", ein Kartenspiel. Musste er einmal ein Kleidungsstück von einem Schneider reparieren lassen, lieh er sich von einem Mitstudenten Rock, Beinkleider und Stiefel aus.

Studium in Königsberg im 18. Jahrhundert

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es in Deutschland 28 Universitäten, mit insgesamt etwa 9.000 Studenten. Königsberg gehörte mit ca. 300-500 Studenten zu den größeren Universitäten. Bedingt durch seine Lage, studierten in Königsberg auch deutsche Studenten, die nicht aus Preußen kamen. Dazu kamen Studenten aus allen baltischen Ländern und aus Polen. Die isolierte Lage weit im Osten Deutschlands hatte auch Nachteile. Man litt vor allem darunter, dass man weit weg von Leipzig, dem Zentrum des Buchhandels, war. Viele Neuerscheinungen in der Wissenschaft kamen daher erst spät nach Königsberg. Und Friedrich der Große meinte noch 1739 spotten zu dürfen: diese Stadt "könne besser Bären aufziehen als zu einem Schauplatz der Wissenschaft dienen." Die Universität Königsberg hatte alle vier Fakultäten: Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Philosophie. Die Philosophie galt bei vielen noch immer als "Magd der Theologie". War in den ersten Jahren noch Aristoteles der meist gelesene Philosoph, kam nun auch die neue Philosophie der Aufklärung, die Philosophie von Christian Wolff nach Königsberg. Magister Christoph Friedrich Baumgarten, der bei Wolff studiert hatte, führte sie in Königsberg ein. Bald kam es zu einem Rückschlag. Führende Theologen des Pietismus, zum Beispiel Heinrich Lysius, bekämpften die neue Philosophie. König Friedrich Wilhelm I. verfügte gar 1726, dass die Theologie nach den Prinzipien des Halle'schen Pietismus gelehrt werden müsse. Gegner des Pietismus dagegen war der Theologe Johann Jakob Quandt.

Als Kant 1740 sein Studium aufnahm, entschloss er sich Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie zu studieren und kümmerte sich nicht um das Durcheinander der Lehrmeinungen, zumal mit dem Regierungsantritt Friedrich II. ein liberaler König auf den Thron kam, der sich selbst der Aufklärung verschrieben hatte. Kants wichtigste Lehrer waren: Carl Heinrich Rappolt (Physik), Johann Gottfried Teske (Physik), Kants Mentor beim Erwerb des Magistergrades mit einer Schrift über das Feuer ("de igne"), Christian Friedrich Ammon (Mathematik), Johann David Kypcke (Philosophie und Theologie), vor allem Martin Knutzen (Philosophie), ein Anhänger der Wolffs´ schen Schule.

Hauslehrerzeit

1746 entstand Kants erste Schrift: "Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte". Sie ist eine Auseinandersetzung mit der Philosophie von Leibniz und zeigt seine feste Absicht, eine Universitätslaufbahn einzuschlagen.

Da starb der Vater, Kant war auf sich gestellt. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und um sich auf die angestrebte berufliche Laufbahn vorzubereiten, verließ er, wie damals üblich, ohne einen Abschluss die Universität und nahm 1748-1754 in drei Ortschaften Ostpreußens eine Stelle als Hauslehrer an.


Schloß Waldburg-Capustigall

Zuerst war er etwa drei Jahre Hauslehrer in der Familie des reformierten Pfarrers Andersch in Judtschen im Kreis Gumbinnen. Diese Ortschaft war vor allem von Refugies, eingewanderten französischen Hugenotten, besiedelt worden, die Andersch seelsorgerlich betreute. Kant unterrichtete die drei Söhne, die acht, elf und dreizehn Jahre alt waren. In dieser Zeit war er zweimal Pate bei Taufen.

Weitere Jahre verbrachte Kant im Gutshaus Groß-Arnsdorf im Kreis Mohrungen in der Familie des Majors Bernhard Friedrich von Hülsen. Auch hier unterrichtete er etwa drei Jahre lang drei Söhne.

Von Königsberg aus unterrichtete er zwei Söhne und einen Neffen der Familie von Keyserlingk auf dem Schloss Waldburg - Capustigall, südlich der Stadt. Unklar ist, ob er nicht auch zeitweilig auf dem Schloss der Familie in Rautenburg in der Tilsiter Niederung war.

1755 trat er mit zwei naturwissenschaftlichen Aufsätzen an die wissenschaftliche Öffentlichkeit. Im gleichen Jahr veröffentlichte er die Schrift "Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels" und erwarb mit der Dissertation "De igne" ( "Über das Feuer") den Magistergrad. Schließlich habilitierte er sich 1755 an der Albertina noch als "Magister legens", d. h. er erwarb das Recht, als Magister vor Studenten zu lesen.

Die Jahre als Hauslehrer gaben ihm die Möglichkeit zu wissenschaftlichen Arbeiten, zumal seine Dienstherren alle über gute und reichhaltige Bibliotheken verfügten.


Gast im Palais Keyserlingk

1764 zogen der Reichsgraf Heinrich Christian Keyserlingk (1727-1787 ) und seine Gemahlin Caroline Charlotte Amalie nach Königsberg. (1727-1791 ) Für beide war die am 11. Februar 1761 in Königsberg geschlossene Ehe die zweite, denn beide waren verwitwet gewesen.

Mit dem Einzug in das Keyserlingksche Palais auf dem Vorderroßgarten Nr. 96 unweit des Schlossteiches wurde dieses Haus für etwa dreißig Jahre ein geistiger und gesellschaftlicher Mittelpunkt der an großen Persönlichkeiten reichen Stadt. Konversation in französischer Sprache, Gesang und Musik, Dichterlesungen und Theaterspiel kamen hier in besonderer Weise zu ihrem Recht. In diesem Haus traf sich alles, was in Königsberg einen Namen hatte: Borowski, Hamann, Hippel, Kant, Kraus, Motherby, Scheffner, Reichardt, Richter, der gesamte Adel der Provinz Ostpreußen, viele von weither gereiste Gäste: Prinzen und Prinzessinnen, Präsidenten und Generäle.

Im Mittelpunkt dieses "Musenhofes" stand die sehr gebildete Gräfin, die am liebsten Bücher las, aber auch sang und zur Laute spielte, zuweilen mit dem Königsberger Wunderkind Johann Friedrich Reichardt musizierte, das Buch des Königsberger Johann Gottfried Gottsched, Professor in Leipzig, "Erste Gründe der Weltweisheit" ins Französische übersetzte, sich aber auch für Leonhard Eulers Mathematik und Isaac Newtons Physik interessierte. Darüber hinaus war sie eine begabte Zeichnerin. Auf Betreiben des berühmten Danziger Zeichners Daniel Chodowiecki wurde sie sogar Mitglied der Berliner Königlichen Preußischen Akademie der Künste. Ihr verdanken wir auch die erste Darstellung des etwa 30-jährigen jungen Magisters Kant. War Kant Gast im Palais, saß er stets auf dem Ehrenplatz neben der Gräfin. Kant nannte sie "eine Zierde ihres Geschlechtes".

Magister Kant

Mit seiner Schrift vom 27. September 1755 "Principiorum primorum cognitionis metaphysicae nova dilucidatio" ("Neue Erhellung der ersten Grundsätze metaphysischer Erkenntnis") erwarb Kant die Lehrbefugnis als Privatdozent an der Universität. Da er als Magister kein Gehalt bekam, sondern nur von den Gebühren seiner Hörer leben musste, gab er viele Vorlesungen, insgesamt acht Monate im Jahr.

Für diese Zeit sind seine Wohnungen in der Magisterstraße und am Ochsenmarkt (später Lindenstraße) bezeugt Er bewarb sich 1756 und 1758 erfolglos um die Stellen seiner verstorbenen Kollegen Martin Knutzen und Georg David Kypcke, und ebenso erfolglos auf die Stelle eines Lehrers an der Kneiphöfischen Schule.

Im Januar 1758 besetzten die Russen Königsberg. Nun besuchten auch deutschbaltische Offiziere, die im Dienst der Zarin standen, seine Vorlesungen. Sie zahlten gut, außerdem erteilte Kant ihnen Privatunterricht. Dadurch stiegen seine Einkünfte. Zudem erhielt er mehr und mehr Einladungen bei wohlhabenden Bürgern oder Adligen.

Feuersbrünste in Königsberg im 18. Jahrhundert

Feuerbrünste in Königsberg im 18.Jahrhundert

Drei große Brände sind allein in der Lebenszeit von Kant bezeugt. Durch die dichte Bebauung der drei Städte Königsberg, vor allem durch die Bauweise der Häuser mit viel Holz, dies bei vielen offenen Feuerstellen in den Häusern oder bei den Schmieden, waren Brände alltägliche Gefahr. Und wenn das Unglück es wollte, dass einer der dreizehn Spritzenwagen, die es zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Königsberg gab, defekt war und das Weiterreichen von noch so vielen Wassereimern den Brand an einer Stelle nicht zum Erlöschen brachte, trieb der ständige Wind von der Ostsee in Königsberg das Feuer rasch durch die ganze Straße oder sogar durch ein ganzes Viertel.

Besonders schlimm fiel der Brand 1764 aus, dem der ganze Löbenicht, Sackheim und der Anger zum Opfer fielen. Darunter befand sich das Löbenichtsche Rathaus. Im wieder aufgebauten Rathaus wohnte Kant eine Zeit lang in einer Mansarde beim Buchhändler Johann Jacob Kanter. Eine weitere Brandkatastrophe ereignete sich im Jahre 1769. Diesmal wurden 76 Häuser und 143 volle Kaufmannsspeicher ein Raub der Flammen.

Schließlich brannten 1775 die Vorstadt und der Haberberg nieder, auch der Alte Garten, insgesamt 351 Gebäude, darunter auch das St. Georgs-Hospital mit Kants erster Schule.


Aufenthalt in Moditten

Zur Zeit Kants hatten wohlhabende Königsberger vor der Stadt oft noch ein Gut oder eine Besitzung, die ihren Haushalt mit Lebensmitteln versorgte. Spaziergänge vor den Stadttoren waren bei schönem Wetter ein Feiertags vergnügen. Kant hatte in der Hauslehrerzeit die Schönheiten der Gärten und Parkanlagen lieben gelernt und seinen Sinn für die Natur vertieft.

1763 entschloss er sich, eine Zeit bei seinem Freunde Wobser, dem Förster des Moditter Beritts, Amt Kaporn, zu wohnen. Hier schrieb er sein Buch "Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen", durch das er in besonderer Weise bekannt wurde.

Auch Kants Freunde Green, Motherby und Ruffmann, alles Kaufleute, waren bei Wobser zu Gast.

Geschlafen hat Kant im Forsthaus. Dicht daneben lag ein kleines Häuschen, das Kant zum Arbeiten diente. Das einfache Fachwerkhaus, eingeschossig und fast quadratisch errichtet, wurde 1927-1929 später zur Erinnerung an Kants Aufenthalt zum "Kanthäuschen" (siehe Bild) ausgebaut. In seinen Räumen hingen Reproduktionen von Darstellungen des Philosophen, in Vitrinen lagen Handschriften und Urkunden. Im größten Raum stand ein Abguss der Büste Kants von Hagemann, die dieser 1801 fertigte. Das Kanthäuschen ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.


Das Kanthäuschen in Moditten
Kant über Königsberg

Immer wieder hat man sich darüber lustig gemacht, dass Kant Ostpreußen nie verlassen, nicht wie andere Geistesgrößen große Reisen gemacht hat. Zum einen war Kant nicht vermögend genug, größere Reisen zu unternehmen, zum anderen nahm er stets Rücksicht auf seine Gesundheit, die nicht die beste war. Vor allem aber sah er seine Vaterstadt als hinreichend an, Welt- und Menschenkenntnis zu erwerben.

"Eine große Stadt, der Mittelpunkt eines Reichs, in welchem sich die Landescollegia der Regierung desselben befinden, die eine Universität (zur Cultur der Wissenschaften) und dabei noch die Lage zum Seehandel hat, welche durch Flüsse aus dem Innern des Landes sowohl, als auch mit angränzenden Ländern von verschiedenen Sprachen und Sitten einen Verkehr begünstigt, - eine solche Stadt, wie etwa Königsberg am Pregelflusse, kann schon für einen schicklichen Platz zur Erweiterung sowohl der Menschenkenntniß als auch der Weltkenntniß genommen werden, wo diese, auch ohne zu reisen, erworben werden kann."
"
Anthropologie in pragmatischer Hinsicht" (Ak. Ausg., Bd. 7, S. 120 f Anm.)

Überdies bezog Kant seine Kenntnis der Welt aus zahlreichen Reisebeschreibungen. Eine über die Grenzen der Fakultät hinaus beliebtesten Vorlesungen war die über die "Physische Geographie".


Berufungen Kants

Bereits als Magister und auch dann, als er Professor in Königsberg geworden war, erhielt Kant Berufungen von anderen Universitäten. Sie waren meist mit guten Gehaltsangeboten verbunden. Doch stets lehnte Kant ab, weil er seine Vaterstadt sehr schätzte, weil er seine Freunde in Königsberg nicht verlassen wollte und seine Gesundheit nicht durch Ortswechsel gefährden wollte. Sein Ziel war die Professorenstelle für Logik und Metaphysik in Königsberg.


Martrikelbuch 1786

1769 Berufung aus Erlangen

Vorläufig sagte Kant zu. Seine Absage dann begründete er mit der "Anhänglichkeit" an seine "Vaterstadt", einen "Kreis von Bekannten und Freunden" und mit seiner "schwächliche(n) Leibesbeschaffenheit".

1770 Berufung aus Jena

Sicherlich hätte Kant auch diese Berufung abgelehnt. Doch anfangs des Jahres ergab sich für ihn die Chance, endlich in Königsberg zum Zuge zu kommen. Und in der Tat: Am 13. März ernannte ihn Friedrich der Große zum ordentlichen Professor für Logik und Metaphysik.

1775 Berufung aus Mitau

Auch einen Ruf an die Hohe Schule in Mitau (Herzogtum Kurland) mit dem Angebot, 400 Taler zu verdienen, lehnte Kant erneut ab.

1778 Berufung aus Halle

Der fortschrittliche und Kant sehr gewogene Minister des Königs, Karl Abraham Freiherr von Zedlitz, setzte sich für Kants Berufung nach Halle ein und bot ihm ein Anfangsgehalt von 800 Talern an. An der größeren Universität wäre Kant praktisch Nachfolger des großen Christian Wolff geworden, doch Kant blieb mit nur 276 Talern Gehalt in Königsberg.


Professor Kant

Als am 15. März 1770 der Mathematikprofessor Langhansen starb, bewarb sich Kant mit einem Schreiben am 16. März an den König, - in dem er diesem noch einen Tausch der Professorenstellen in Königsberg vorschlug -, um die Stelle eines Professors der Logik und Metaphysik. Friedrich akzeptierte den Vorschlag und ernannte Kant am 31. März 1770 zum "Professore Ordinario der Logic und Metaphysic". Endlich hatte Kant die Stelle, die er von Anfang an angestrebt hatte.

Zum Antritt der Stelle legte Kant eine Dissertation "De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis" ("Über die Formen und Grundsätze der Sinnen- und Verstandeswelt") vor und verteidigte diese vor dem akademischen Publikum.

Zehn Jahre arbeitete Kant an der Vervollkommnung seiner mit der Dissertation von 1770 begonnenen Erkenntnistheorie. In diesem "schweigendem Jahrzehnt" gab er keine Schriften zur Philosophie heraus. Die Fachwelt wunderte sich: Sollte es in Königsberg eine Fehlbesetzung gegeben haben? Und immerhin war Kant schon in die Jahre gekommen!

Wie wir heute wissen bereitete er die "Kritik der reinen Vernunft" vor, sein Hauptwerk, das 1781 erschien und das später seinen Ruhm begründete.

Im Wintersemester 1779/1780 amtierte Kant erstmals als Dekan, mehrfach noch hatte er dieses Amt mit allerlei Verwaltungsaufgaben inne, 1786 und 1788 war er gar Rektor der Universität. In dieser Eigenschaft musste er anlässlich der Huldigung für König Friedrich Wilhelm II., - in diesem Jahr verstarb der "Alte Fritz", - die Universitätsfeierlichkeiten organisieren.

Bis zum Jahre 1796 hielt Kant Vorlesungen, und bis 1798 gab er eine Fülle von Schriften heraus.


Kants Wohnhaus

Ende des Jahres 1783 erwarb Kant von der Witwe des Porträtmalers Johann(es) Gottlieb - oder Heinrich - Becker, der ihn 1768 gemalt hatte, als er noch im Hause des Buchhändlers Kanter lebte, ein bereits älteres Haus am Prinzessinplatz. Vermittelt wurde es ihm von seinem Freund und Nachbar Theodor Gottlieb von Hippel. Das Grundstück führte im 17. Jahrhundert den Namen "Alte Landhofmeistere!".


Kants Wohnhaus

Kants Wohnhaus - Grundriss

Das Haus stand an einem Abhang, die Vorderseite lag höher, die Rückseite tiefer, unmittelbar am Schlossgraben. Die Rückseite des Hauses war unterkellert. Zum Hause gehörte ein Garten und wohl auch eine Zeit lang ein Hühnerstall. Im Erdgeschoß lagen der Flur (Vorhaus), der Hörsaal, die Wohnung der Köchin und die Küche. Seitlich angebaut war eine Sommerstube.

Im Obergeschoß befand sich der Esssaal, die Bibliothek, das Studierzimmer, ein Besuchszimmer und der Schlafraum Kants. Unter dem Dach hatte der Diener Martin Lampe sein Zimmer.

Die Wände waren weiß getüncht, die Möbel einfach. Geschirr und Silber hatte er nur so viel, wie er für sich und seine Gäste benötigte. Hatte er einmal eine größere Gesellschaft, wurden Lampe und die Köchin Louise Nitzschin von Lampes Frau und Tochter unterstützt. Weil sein Diener trunksüchtig geworden war, trennte sich Kant 1802 von ihm. Neuer Diener wurde Johannes Kaufmann. Eventuelle Reparaturen oder Anschaffungen überließ Kant dem Pfarrer Ehregott Andreas Christoph Wasianski. In diesem Haus wohnte der Philosoph bis zu seinem Tode.

Kants Freunde

Kants Freundeskreis war gemischt: Ein Leben lang stand er im Kontakt mit seinen Mitstudenten Johann Heinrich Wlömer und Christoph Friedrich Heilsberg.

Eine innige Freundschaft verband Kant mit seinem Lieblingsschüler Marcus Herz, der sich nach Abschluss seiner Königsberger Studien in Berlin als Arzt niederließ. Herz hatte als Respondent die Thesen von Kant gegen die Opponenten verteidigt bei der öffentlichen Disputation über Kants Dissertation von 1770, in der Kant zum ersten Mal die Raum-Zeit Lehre seiner späteren Kritik der reinen Vernunft vorgetragen hatte.


Theodor von Hippel

Der Briefwechsel mit Moses Mendelssohn in Berlin und Christian Garve in Breslau, zwei von ihm hochgeschätzten Kollegen im Fach Philosophie, legt ein beredtes Zeugnis dafür ab, dass seine auf Achtung des Scharfsinns und der gelebten Sittlichkeit gegründete freundschaftliche Verehrung keineswegs von der Übereinstimmung in allen Gedanken abhängig gewesen ist.

Andere Freunde waren Kaufleute. Sie wussten, wie man Geld verdient, sie waren aber zum Teil auch Leute mit großer Welt- und Menschenkenntnis, belesen und mit einem weiten Horizont. Gute Freunde Kants waren der Bankier Ludwig Ruffmann, Johann Konrad Jacoby und seine Frau Charlotte, die eine eigene Tischgesellschaft hatten, die Brüder Georg Friedrich und Karl Konrad Schwinck, die mehrere Häuser und Speicher besaßen, dazu ein Gut im Samland.

Richtige Herzensfreunde Kants waren der englische Kaufmann Joseph Green und der englische Kaufmann Robert Motherby. In Greens Landhaus war Kant oft zu Gast, mit ihm hat er mehrere Schiffreisen über das Frische Haff nach Pillau unternommen. Green muss auch die philosophischen Kants gut verstanden haben, denn Kant berichtet, er habe manchen Satz in der "Kritik der reinen Vernunft" vorher von Greene beurteilen lassen. Motherby hatte er seine Ersparnisse zur Verwaltung anvertraut.

Mit dem Vater vieler Kinder sprach Kant häufig über pädagogische Fragen. Sein Freund Paul Heinrich Collin war französischer Herkunft. Der Besitzer einer Fayence- und Steingutfabrik in Königsberg fertigte selbst ein gelungenes Reliefporträt von Kant an.

Zu vielen Vertretern des Adels hatte Kant gute freundschaftliche Kontakte, obwohl in seiner Zeit die Gesellschaft noch ständisch in Adel und Bürgertum gegliedert war. Einige der wichtigsten Namen sind: Jakob Friedrich Oberburggraf von Rohd, die Gouverneure Graf Henkel von Donnersmarck und Wilhelm Graf von Brünneck, Karl Friedrich Herzog von Holstein-Beck, Friedrich Graf von Kalkreuth, Ahasver Graf von Lehndorff.

Den General Friedrich von Lossow besuchte Kant auf seinem Gut Kleszowen bei Goldap und Staatsminister Friedrich Leopold Freiherr von Schroetter auf dem Gut Wohnsdorf.


Kant und seine Tischgenossen

Nach der Einrichtung eines vollständigen Haushalts 1787 begründete Kant eine eigene Tischgesellschaft. Bis dahin aß er in Restaurants oder war Gast in den Häusern befreundeter Bürger und Adliger. Nun, da er selbst vermögend geworden war, sich auch zu alt fühlte, ständig außer Haus zu gehen, lud er sich zu Mittag Gäste ein, mit denen er angeregte Gespräche führte.

Im Jahre 1892 ließ der Königsberger Bankier und Mäzen Walter Simon den Historienmaler Emil Doerstling ein Gemälde zu Kant und seiner Tischgesellschaft malen. Es sollte anschaulich machen, wie Kant in seinem Haus als Gastgeber lebte. Nach einer Schrift von Christian Friedrich Reusch "Kant und seine Tischgenossen" hat der Historienmaler versucht, einige bekannte Königsberger Gäste des Philosophen wiederzugeben. Ganz links am Tisch agiert Diener Lampe. Im Hintergrund an der Wand erkennt man das Porträt Jean-Jacques Rousseaus, das einzige Bild in Kants Haus, ein Geschenk von Ruffmann.

Folgende Königsberger Persönlichkeiten hat Doerstling (von links nach rechts) festgehalten:


Ausstellungsinszenierung : Kant und seine Tischgenossen

1 Johann Konrad Jacoby 1717-1774

Der Bankkaufmann kam aus der Pfalz nach Königsberg. Zusammen mit seiner Frau versammelte er in seinem Hause die "Gelehrte Gesellschaft", eine Gruppe von Königsberger Bürgern verschiedener Berufe. Auch Kant war häufig bei ihm zu Gast.

2 Robert Motherby 1736-1801

Der aus Schottland nach Königsberg eingewanderte Bankkaufmann war ein sehr enger Freund Kants. Er verwaltete seine Finanzen. Sein Sohn William Motherby studierte in Königsberg Medizin und führte in der Stadt die Pockenschutzimpfung ein.

3 Christian Jacob Kraus 1753-1807

Der in Königsberg geborene Schüler Kants wurde Professor der praktischen Philosophie, Jura und Naturwissenschaften. Später - Kraus hatte sich mit den Lehren von David Hume und Adam Smith beschäftigt - wurde seine Professur in einen Lehrstuhl für Staats- und Finanzwissenschaften umgewandelt. Er regte den Adel und die Beamtenschaft zu Reformen in der Verwaltung des Landes an. Bahnbrechend waren seine Arbeiten über die Herkunft und Sprache der Zigeuner.

4 Johann Georg Hamann 1730-1788

Der Königsberger Hamann entwickelte sich zu einem Kritiker Kants. Dennoch blieb Kant ihm freundschaftlich verbunden und half mit, dass der Mittellose im Hafen als Packhofverwalter seinen Lebensunterhalt verdienen konnte.

5 Theodor Gottlieb von Hippel d. Ä. 1741-1796

Nach dem Studium der Theologie und Jura war der Geheime Kriegsrat Oberbürgermeister, Polizeidirektor und Stadtpräsident von Königsberg. Er verbesserte hier das Schulwesen reorganisierte das Feuerlöschwesen und führte die Beleuchtung der Straßen ein. Ferner sammelte er Gemälde, schrieb Kirchenlieder, anonyme Romane ("Über die Ehe") und satirische Schriften.

6 Johann Georg Schaffner 1736-1820

Er studierte Jura an der Albertina. Der Kriegsrat und Gutsbesitzer war auch als Schriftsteller und Übersetzer tätig. Seinen Grundbesitz verkaufte er, damit auf ihm der Königsberger Botanische Garten entstehen konnte. Er stiftete auch das Landwehrkreuz auf dem Galtgarben, der höchsten Erhebung im Samland und legte hier Wanderwege an. 1809/10 ließ der Kant-Verehrer das Professorengewölbe am Domchor zur "Stoa Kantiana" (Wandelhalle Kants) mit einer Grabkapelle und einen Grabstein umbauen.

7 Ludwig Ernst von Borowski 1740-1831

Der Schüler Kants war Feldprediger bei Friedrich II., Oberhofprediger und Bischof. Er gehörte zu Kants Betreuern im Alter. Später war er der persönliche Seelsorger Friedrich Wilhelms III. und dessen Gemahlin Luise während deren Königsberger Exils 1807-1809. Der König adelte ihn und ernannte ihn zum einzigen Erzbischof in Preußen.

8 Karl Gottfried Hagen 1749-1829

Apotheker und Mediziner. Er schrieb das erste Lehrbuch der Apothekerkunst, war Mitbegründer der wissenschaftlichen Pharmazie. Der spätere Professor der Physik, Chemie, Botanik und Mineralogie gründete den Botanischen Garten der Universität. In den Jahren 1807-1809 war er der Lehrer der späteren preußischen Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I.

Christian Friedrich Keusch über Kants Kleidung

"Er war stets sehr sauber gekleidet, und sein tiefernstes Gesicht, sein zur Seite etwas gesenkter Kopf, sein regelmäßiger, doch nicht zu langsamer Schritt, zogen ehrerbietiges Anschauen bei seiner Erscheinung auf sich. Die helle Sandfarbe seines Kleides, die später einer tieferen bräunlichen wich, darf nicht auffallen; helle Farben aller Art waren damaligen Geschmacks und die schwarze den Begräbnissen und der Trauer vorbehalten. Bei warmen Tagen ging er nach damaliger Sitte mit abgezogenem, auf den goldenen Knopf des Rohrstocks gehaltenem Hut, alsdann die feingepuderte Perücke den Kopf zierte. Seidenstrümpfe und Schuhe gehörten damals auch zur gewöhnlicher Tracht eines wohlgekleideten Mannes. Als Beweis des Werths dieser Fußbekleidung ließe sich anführen, daß ein Herr Hofrath Block, Aufseher des grünen Gewölbes in Dresden, eine Sammlung von Schuhen berühmter Männer angelegt hatte, zu welcher Kant veranlasst war, ein Paar neue Schuhe abzugeben, die er eigenhändig bezeichnet hatte."

Kant geht zur Vorlesung

Es geht auf sieben - Zeit wird's fürs Kolleg!
Nochmals das Barometer konsultiert:
Ein Prischen noch - Der Diener präsentiert
schon Stock und Hut für den gewohnten Weg.

Treppnieder steigend lauscht Kant dem Gespräch,
das seine Köchin mit der Katze führt,
sein ernst Gesicht ein feines Schmunzeln rührt,
dann auf die Straße tritt er, die sich schräg

zur lauten Altstadt senkt, das Schloß entlang,
den feinen Körper trägt gemessner Gang,
das große Haupt neigt sich wie forschend vor –

Kant späht zum Pregelkai ins Marktgetöse,
dann geht's durch Gässchen — und die langen
Schöße
des braunen Rocks verschluckt das Domhoftor.

Walter Scheffler, gehörloser Königsberger Schriftsteller, 1924


Kant im Alter

Immanuel Kant war bereits 57 Jahre alt, als er 1781 seine "Kritik der reinen Vernunft" nach über zehn "schweigenden Jahren" herausgab. Vor ihm lagen noch weitere 15 Jahre, in denen er zahlreiche wichtige Werke schrieb, seine Lehrtätigkeit ausübte und Verwaltungsaufgaben als Dekan oder Rektor der Albertina wahrnahm. Sein Freundeskreis war groß. Viele Besucher kamen in sein haus. Oftmals war er Gast bei bekannten Königsberger Familien.

Vom Wintersemester 1796/97 an jedoch enthalten die Senatsakten der Albertina den eigenhändigen Hinweis Kants, dass er aus Alters- und Krankheitsgründen keine Vorlesungen mehr halten konnte. Weder war er fähig, seine Lehrtätigkeit fortzusetzen, noch konnte er das Amt eines Dekans oder Rektors ausüben. Obwohl weiterhin Mitglied im Universitäts-Senat vertraten ihn bei diesen Ämtern jüngere Kollegen.

Wenn seine Biographen ihn sicherlich in übertriebener Weise als einen Menschen dargestellt haben, nach dem die Königsberger ihre Uhren gestellt haben, so versuchte er zunächst, den gewohnten Tagesablauf einzuhalten. Früh stand er auf, und verbrachte viele Stunden am Schreibtisch. Er verfasste manche Abhandlung und gab zum Beispiel 1799 noch eine Erklärung gegen Johann Gottlieb Fichte heraus. Doch den Druck seiner "Logik" 1800 besorgte schon Gottlieb Benjamin Jäsche, den Druck seiner Werke "Physische Geographie" und "Über Pädagogik" 1892 Friedrich Theodor Rink.

Gute Freunde, zum Beispiel Joseph Green, Johann Georg Hamann, Theodor Gottlieb von Hippel, auch das Ehepaar Keyserlingk waren schon Jahre zuvor verstorben, 1801 schließlich auch Robert Motherby.


Kant auf seinem Spaziergang

Zuerst hatten sich bei Kant Probleme mit dem Gedächtnis eingestellt. Bereits 1795 soll seine Vergesslichkeit eingesetzt haben. Und 1799, so bezeugt es Ehregott Andreas Wasianski, sagte er einmal: "Meine Herren, ich bin alt und schwach, Sie müssen mich wie ein Kind betrachten."

Später folgten allerlei körperliche Erkrankungen und Beeinträchtigungen. Von Jahr zu Jahr verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, mehr und mehr war er auf Hilfe und Pflege angewiesen. 1801 vertraute der Philosoph seine Vermögensverwaltung seinem engsten Betreuer der Letzten Jahre, Wasianski, an. Mit Zetteln oder Notizbüchern versuchte Kant gegen den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses anzugehen. Irgendwann fiel es ihm schwer, mehr als zwei Gäste an seinem Mittagstisch zu haben oder den regelmäßigen Spaziergang einzuhalten. Er konnte nicht mehr lesen und nicht mehr schreiben. Dann schlief er auf dem Stuhl sitzend ein, altersbedingte gesundheitliche Probleme fesselten ihn an das Bett. Da Tag und Nacht jemand bei ihm sein musste, holte Wasinaski im Herbst 1803 Kants sechs Jahre jüngere Schwester Catharina Barbara zur Pflege des dahinsiechenden Bruders ins Haus.

Kants Tod und Begräbnis

Ab Herbst 1803 war erkennbar, dass Kant nicht mehr lange leben würde. Seine Lebenskräfte waren verbraucht. Anfang 1804 war er kaum noch in der Lage, etwas zu essen und zu trinken.

Engste Vertraute erkannte er nicht mehr. Als Wasianski ihm am 11. Februar Wein mit Wasser vermischt zu trinken gab, sprach er seine letzten Worte:" Es ist gut!" Am 12. Februar 1804 gegen 11.00 Uly- starb der große Philosoph. "Sein Tod war der Schlusspunkt einer schritweisen und sich über einen langen Zeitraum hinziehenden Verschlechterung seiner geistigen und körperlichen Verfassung" (Kühn).

In den "Königlichen Preußischen Staats-, Kriegs- und Friedenszeitungen" wurde Kants Tod am 13. Februar mit folgender Anzeige eines unbekannten Freundes bekannt gegeben:


Kants Testament von 1802
Die Kopien stammen noch aus Königsberg vor
dem Krieg. Das Stadtgeschichtliche Museum hat
das Originalsiegel von Kant in Wachs gedrückt!
"Königsberg 12. Februar. Heute Mittags um 11 Uhr starb hier an völliger Entkräftung im 80sten Jahr seines Alters Immanuel Kant. Seine Verdienste um die Revision der speculativen Philosophie kennt und ehrt die Welt. Was ihn sonst auszeichnete, Treue, Wohlwollen, Rechtschaffenheit, Umgänglichkeit - dieser Verlust kann nur an unserm Orte ganz empfunden werden, wo also auch das Andenken des Verstorbenen am ehrenvollsten und dauerhaftesten sich erhalten wird."

Kant wurde in seinem Haus aufgebahrt. Der Kunstmaler Johann Friedrich Andreas Knorre nahm dem Verstorbenen die Totenmaske ab. Die Erbangelegenheiten wurden von Wasianski geregelt. Die Kinder seines verstorbenen Bruders Heinrich in Kurland und vier Kinder seiner in Königsberg verstorbenen Schwestern wurden mit Geldbeträgen bedacht, ebenso die Diener Martin Lampe, Johann Kaufmann und die Köchin Louise Nitzschin. Seine Bücher erhielt Professor Johann Friedrich Gensichen.

Der Winter in Königsberg war streng im Februar 1804, der Boden gefroren. So wurde Kant erst am 28. Februar 1804 im Professorengewölbe an der Nordseite des Königsberger Domes beigesetzt. In den vielen Tagen zuvor nahmen zahlreiche Bürger der Stadt von ihm Abschied und die Studenten vor allem hatten die Gelegenheit, die Totenfeier vorzubereiten.


Immanuels Kants Grabmal, im neoklassizistischen
Stil von Friedrich Lahrs, wurde zur 200.Wiederkehr
von Kants Geburtstah a, 21.April 1924 einmgeweiht.
Die Beisetzungsfeier fand unter Anteilnahme zahlreicher Bürger, unter ihnen sicher auch viele Neugierige, statt. Für Kant, der kein Kirchgänger war, läuteten die Glocken aller Königsberger Kirchen.

1810 wurde über dem Grab Kants ein kapellenartiger Raum errichtet, die "Stoa Kantiana". 1880 wurde sie zu einer Grabkapelle mit zwei Schaugiebeln im neugotischen Stil umgebaut. Als diese dann wieder Schäden aufwies, wurde 1924, -anlässlich des 200. Geburtstages von Immanuel Kant-, auf Veranlassung der Stadt durch den Architekten Friedrich Lahrs ein neues Grabmal, eine offene Pfeilerhalle mit einem granitenen Kenotaph errichtet. Sie überstand den 2. Weltkrieg heil.

Johann Gottfried Herder über Immanuel Kant

Von 1762 - 1764 studierte Johann Gottfried Herder aus Mehrungen in Ostpreußen bei Immanuel Kant. Auf Kants früherer Schule, dem Collegium Fridericianum" war er als Lehrer tätig, ehe er nach Riga ging, später nach Bückeburg und Weimar.
Von Herder gibt es (6. Sammlung der "Briefe zur Beförderung der Humanität" von 1795) ein wunderschönes Zitat über Immanuel Kant, mit dem wir diesen Lebenslauf des großen Philosophen beschließen.
"Ich habe das Glück genossen, einen Philosophen zu kennen, der mein Lehrer war.
Er in seinen blühendsten Jahren hatte die fröhliche Munterkeit eines Jünglinges, die, wie ich glaube, ihn auch in sein greisestes Alter begleitet. Seine offen, zum Denken gebauete Stirn war ein Sitz unzerstörbarer Heiterkeit und Freude; die Gedankenreichste Rede floß von seinen Lippen; Scherz und Witz und Laune standen ihm zu Gebot, und sein lehrender Vortrag war der unterhaltendste Umgang. Mit eben dem Geist, mit dem er Leibnitz, Wolf, Baumgarten, Crusius, Hume prüfte, und die Naturgesetze Keplers, Newtons, der Physiker verfolgte, nahm er auch die damals erscheinenden Schriften Roußeau 's , seinen Emil und seine Heloise, so wie jede ihm bekannt gewordene Natur - Entdeckung auf, würdigte sie, und kam immer zurück auf unbefangene Kenntnis der Natur und auf moralischen Wert des Menschen. Menschen - Völker -Naturgeschichte, Naturlehre, Mathematik und Erfahrung, waren die Quellen, aus denen er seinen Vortrag und Umgang belebte; nichts Wissenswürdiges war ihm gleichgültig; keine Kabale, keine Sekte, kein Vorteil, kein Namen - Ehrgeiz hatte je für ihn den mindesten Reiz gegen die Erweiterung und Aufhellung der Wahrheit. Er munterte auf, und zwang angenehm zum Selbstdenken; Despotismus war seinem Gemüte fremde. Dieser Mann, den ich mit größester Dankbarkeit und Hochachtung nenne, ist Immanuel Kant; sein Bild steht angenehm vor mir."

Autor: © 2004 Lorenz Grimoni / Martina Will
Quelle : "Königsberger Bürgerbrief" Nr.62/2004
Bilder: (MKS) Museum Stadt Königsberg, Duisburg


Lorenz Grimoni ist der Leiter des "Museum Stadt Königsberg(Pr)" in Duisburg, Mitgestalter des Königsberger Bürgerbriefes und Stellvertr. Stadtvorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg e.V.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des Museums:
http://www.museumkoenigsberg.de




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letzte Änderung dieser Seite : Montag, 1. März 2010