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Noch vor 20 Jahren war es dem deutschen Menschen ein leichtes, den Begriff HEIMAT spontan zu definieren. Es ist erschreckend, wie es heute darum bestellt ist, welche Hilflosigkeit, Verkrampfung und Geisteshaltung dabei sichtbar werden. Der Oberbegriff HEIMAT ist vielfältig. Dahinter verbergen sich verschiedene "tragende Säulen" im Leben eines Menschen, die stets individuell auf ihn und sein Wesen abgestimmt sind. Teils - im Sinne des ursprünglichen lokalen Begriffs HEIMAT - sind sie ihm vorgegeben, teils werden sie vom Unterbewußtsein für ihn ausgesucht, weil sie ihm "gefallen". Jemand fühlt sich beispielsweise in einer bestimmten ihn stimulierenden Musik- oder Literatursparte als Kenner und Genießer "zu Hause". Hier kann er sich von Strapazen und Hektik des Alltags erholen. Ob der einzelne nun "seine" HEIMAT in ihrer tieferen Bedeutung für sich erkennt, nur dumpf verspürt oder gar leugnet, - immer sind es für ihn, gewollt oder ungewollt, Schutz- und Ruheoasen, die seine Psyche dringend braucht. HEIMAT ist somit die Gesamtheit der ganz persönlichen, realen und ideellen Refugien, die dem Menschen zeitlebens zur Verfügung stehen. Nur diese allerersten wahr- und aufgenommenen dominierenden Bilder, Eindrücke und Empfindungen speichert er in dem noch leeren Archiv seiner Seele ab. Sie bilden für ihn zeitlebens - unbewußt - schabionisierte Bewertungsmaßstäbe, an die er alles, was ihm begegnet, vergleichend anlegt. Seien es jene Menschen - Eltern, Verwandte, Freunde -, die ihm zuerst begegnet sind oder die Landschaft, die sein inneres Auge zuerst bewußt wahr- und aufgenommen hat, erste Ereignisse oder Empfindungen - dies alles fällt unter den Oberbegriff HEIMAT. Dahinter verbergen sich somit zahlreiche Standards, die für jedes Individuum lebenslange Gültigkeit besitzen. Wir keimen dazu die analogen Erkenntnisse aus der Tierwelt, die letztlich - neben den Genen - für das Verhalten und Wesen eines Tieres prägend sind. |
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Ergebnisse dieser ständigen Vergleiche sind unbewußt gesteuerte Entscheidungsprozesse verschiedenster Art - Stimulansimpulse über Freude oder Trauer, Mut oder Resignation, Zustimmung oder Ablehnung. Derlei Entwicklungsprozesse laufen jedoch nicht nur während der Lebensstürme oder in Phasen tief empfundenen Glücks, sondern auch im trivialen Alltagsgeschehen ab. Aus all dem kristallisiert sich sodann das Wesen eines Menschen heraus.
Zusammengefaßt: Im herkömmlichen allgemeinen Sprachgebrauch umfaßt der Begriff HEIMAT jene Örtlichkeiten, verknüpft mit Personen, Landschaft und Erlebnissen, in die der Mensch eingeboren wurde, wo er die prägenden Kindheits- und Jugendjahre verlebte, Erkenntnisse für sein Leben sammelte und ihm Zuflucht und Schutz zuteil wurde. Hier, und nur hier, hat der Mensch seine Wurzeln. HEIMAT bedeutet "daheim" zu sein; ein "Heim" vermittelt dem Menschen jene Geborgenheit, in die er sich geschützt zurückziehen kann. Wie auch immer die Erinnerungen an die HEIMAT sein mögen, sie sind einmalig und einzigartig, weil sie der Mensch nur einmal durchlebt. Wenn auch dieses komplexe Szenario im Laufe des Lebens verklingt, verhallen kann es nie. Insofern ist der Begriff HEIMAT später ebensowenig austauschbar wie die HEIMAT selbst. Dies auch dann, wenn sich Heimatvertriebene in ihrer neuen Umwelt wohlfühlen, dort gut eingelebt haben und im Sprachjargon von einer "neuen Heimat" sprechen. HEIMAT ist einmalig. Die Zielsetzung bestimmter Drahtzieher läuft - teuflisch fein gesponnen - heute immer deutlicher darauf hinaus, die heimatvertriebenen Menschen noch perfekter zu entwurzeln, sie mit "coolem Zeitgeist" und Europatümelei ("Meine Heimat ist Europa") einzulullen und so unbemerkt nun auch ideell ihrer HEIMAT zu berauben. HEIMAT bedeutet Erinnerung und Kraft. Lassen wir es nicht zu, daß man uns auch das noch nimmt! |
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Autor : © 2008 Ottokar Georg Edmund Wagner
Quelle : Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 89/2008 |
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