Geschiche und Kultur

Ostpreußen , das nordöstlichste Land des Deutschen Reiches, hat eine Fläche von 36.996 qkm und 2,5 Millionen Einwohner (1939); es gliederte sich seit 1920 in die Regierungsbezirke Westpreußen (Marienwerder) , Allenstein, Gumbinnen und Königsberg; seine Hauptstadt ist Königsberg i.Pr.

Die außerordentlich reizvolle Landschaft Ostpreußens verdankt ihre Gestaltung vor allem der Oberflächenformung durch die eiszeitlichen Inlandeismassen. Sie schufen mit ihren Ablagerungen und Schmelzwasserseen den bis 313 m hohen ostpreußischen Abschnitt des stark bewaldeten Baltischen Höhenrückens mit der vielbesungenen Masurischen Seenplatte. Die höchsten Erhebungen sind die Kernsdorfer Höhe und der Seesker Berg. Die größten Seen sind Spirding-, Mauer-,Geserich-, Löwentin-,Rosch-, Rheinischer und Drauensee.

Südlich des eigentlichen Höhenrückens liegen ausgedehnte Sandflächen, z.B. die Johannesburger Heide. Fruchtbare Niederungen kennzeichnen das Land an den Unterläufen der drei Hauptflüsse Nogat (Mündung der Weichsel), Pregel und Memel. Eine Besonderheit der ostpreußischen Küste sind das Frische und das Kurische Haff mit ihren vorgelagerten, dünenreichen Nehrungen. Zwischen diesen schiebt sich das Samland mit seinem als Bernsteinküste berühmten Steilabfall an die Ostsee.

Das Klima zeigt deutliche Kennzeichen der weit nach Osten vorgeschobenen Lage. Sie bringt die tiefsten Jahresmittel der Temperatur und die kältesten Winter des Norddeutschen Tieflandes. Über 100 Frosttage im Jahr sind keine Seltenheit. Nur ein schmaler Küstenstreifen hat ein etwas milderes Klima.


Wirtschaftlich war Ostpreußen eine der großen Kornkammern des Deutschen Reiches.

Land- und Forstwirtschaft waren stets die Haupterwerbszweige und lieferten große Überschüsse. Hauptanbaupflanzen waren Roggen, Hafer, Kartoffeln, Gerste und Weizen.

Ein in aller Welt bekannter Zweig der blühenden Viehzucht war die Pferdezucht von Trakehnen. Bedeutung hatte auch die Milchwirtschaft.

Die Industrie war nur in den größeren Städten (Königsberg, Elbing, Tilsit, Allenstein) stärker entwickelt und verarbeitete vor allem die Agrarprodukte. Elbing war ein bedeutender Standort der Werftindustrie.


Geschichte:

Durch seine Bernsteinfunde war Ostpreußen schon den handeltreibenden Völkern der Antike bekannt.

Der ansässige Stamm der Pruzzen wiedersetzte sich erfolgreich der Christianisierung durch Wojtjech genannt Aldalbert von Prag (gest. 3.04.997) bei Truso; bis der Piastenherzog Konrad von Masovien 1226 den Deutschen Orden rief, der von Kaiser Friedrich II. das Kulmer Land als Lehen empfing und die Reichsfürstenwürde in Preußen erhielt.

Dem Orden folgten zahlreiche Siedler, die um die Burgen herum Städte gründeten, denen in der Kulmer Handfeste selbständige Verwaltung gewährt wurde. 1231 entstand Thorn, 1232 Kulm, 1233 Marienwerder, 1237 Elbing, eine Gründung der lübischen Hanse. Aber erst 1283 gelang die vollständige Unterwerfung der Pruzzen mit Hilfe König Ottokars II. von Böhmen, dem zu Ehren Königsberg gegründet wurde.

Bild rechts: Die Marienburg

Aus dem ehemaligen Herzogtum Preußen (Land des Deutschen Ordens) hervorgegangen, fiel Ostpreußen 1618 durch Nachfolgerecht an Brandenburg; durch Frieden von Oliva wurde es aus der polnischen Lehnshoheit entbunden.

1701 fand in Königsberg die Krönung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg (als König Friedrich I. in Preußen) statt, weil Ostpreußen nicht zum Reichsverband gehörte. 1709/10 stark durch die Pest entvölkert, wurde Ostpreußen 1722/40 von Friedrich Wilhelm I. durch Kolonisten aus der Schweiz, der Pfalz, Nassau und Salzburg neu besiedelt..

Nach dem Siebenjährigen Krieg nahm die Landwirtschaft in Ostpreußen einen starken Aufschwung (Getreideexporte), die Universität Königsberg (Kant) erlebte ein hohe Blüte. 1812/13 begann in Ostpreußen unter Yorks Führung der Freiheitskampf gegen Napoleon. 1815 entstand die Provinz Ostpreußen, die 1824/78 mit Westpreußen zur Provinz Preußen vereinigt wurde.

Im Vertrag von Versailles mußte das Gebiet um Soldau an Polen, das Memelgebiet an die Alliierten abgetreten werden. Bei der Abstimmung im Bezirk Allenstein wurde dieser dem Reich erhalten. Das durch den polnischen Korridor vom Reich getrennte restliche Westpreußen rechts der Weichsel wurde mit Ostpreußen  zusammengelegt.
Ostpreußen mußte mit der Osthilfe wirtschaftlich gehalten werden. 1939 wurde das Memelgebiet zurückgegliedert.

Im 2.Weltkrieg kam es nach dem Einbruch der Russen in Ostpreußen im Oktober 1944 zu einer furchbaren Katastrophe, weil die Evakuierung der Zivilbevölkerung vom Gauleiter nicht rechtzeitig zugelassen wurde und Ostpreußen (Kessel zwischen  Braunsberg, Heiligenbeil und Königsberg bis zur westlichen Samlandküste) vom übrigen Deutschland abgeschnitten war, so daß Hundertausende von Zivilpersonen eingeschlossen wurden oder über das Eis des Frischen Haffs zu fliehen versuchten.  Die Zahl der Todesopfer wird mit 614.000 angegeben.

Auf der Potsdamer Konferenz wurde Ostpreußen bis zum Friedensvertrag in einen sowjet. und einen poln. Verwaltungsbezirk geteilt. Die deutsche Bevölkerung wurde zurückgehalten, verschleppt, vertrieben; bis 1947 fanden 1,93 Millionen ostpreußische Flüchtlinge in Mittel- und Westdeutschland Aufnahme.


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letzte Änderung dieser Seite : Montag, 1. März 2010