Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Bericht zum Dorf Abschruten - Steinflur
von Meta Kumetat, verw. Urmoneit, geb. Kinder aus Abschruten

Steinflur (Abschruten)
Post Breitenstein (Kraupischken)
Kreis Tilsit-Ragnit
Reg.Bez. Gumbinnen / Ostpreußen

Das Dorf Steinflur hieß vor 1936 Abschruten und vor 1828 Jacken. Steinflur hatte eine Fläche von ca. 160 ha, auf der ca. 150 Personen wohnten. Die Mehrheit der Bewohner lebte von der Landwirtschaft, sie waren Kleinbauern bis zu 50 Morgen Land. Das Dorf hatte einen eigenen Bürgermeister (Dorfschulze). Bekannt sind noch: Friedrich Kinder, Friedrich Karklinat, Christoph Urmoneit, Gustav Mertins, Bernhard Albutat, Albert Krischat, Paul Mertins und Franz Szillat.

Steinflur gehörte zum Amt Breitenstein. Das Dorf gehörte zum Breitensteiner Kirche, die 1955 in Lütjenburg/Holstein unter Leitung von Superintendent Dr. Modregger die 400-Jahrfeier beging.

Der Friedhof des Dorfes lag auf dem Grundstück von Otto Masurat. Im Winter und Frühjahr war es manchmal schwierig, bei Eis und Schnee die steilen Wege zu befahren. Das Wiesental der Opelis war manchmal so weit überschwemmt, daß man kaum noch den Friedhof erreichen konnte.
Mitten im Dorf war ein großer Dorfteich, der als Feuerlöschteich dienen sollte. Im Sommer war er von Gänsen und Enten besetzt. Im Winter war die Eisfläche ein ganz beliebter Spielplatz. Manch einer brach ein und mußte mit nassen Kleidern schnell die warme Stube aufsuchen. Am Dorfteich stand das Kiewenhaus, in dem Kiewen standen. Bei Feuer wurde in den Kiewen Wasser gefahren. Nach Möglichkeit mußten bei Feuer alle Männer Hilfe leisten.


Bild oben: Schule Steinflur 1934

Der Dorfplatz neben dem Teich war gleichzeitig Schulspielplatz, Die Steinflurer Schule wurde ca. 1881 gebaut. Vorher mußten die Kinder nach Plimballen zur Schule gehen. Das Dorf Warnen gehörte auch zur Steinflurer Schule.

Lehrer waren:
1. Franz Helfensteller (verst.1895) ....................5. Erich Pernau
2. Adolf Kazemek ...............................................6. Wilhelm Matthies
3. Karl Klingbeil ..................................................7. ? Ziewitz
4. Emil Waldmann ..............................................8. ? Södding (gefallen)

Dicht am Dorf grenzte das Eymenistal. Die Eymenis war im Sommer für Jung und Alt ein beliebter Badeort, Allen war bekannt, daß an Masurats Weidegarten die tiefste Stelle war. Obgleich das Fischen ohne Schein nicht erlaubt war, wurde doch mit der Angel, dem Kescher und dem Netz gefischt, Meister Marschand hatte an seinem Berg eine Treppe gebaut, die von allen gern benutzt wurde, wenn man zur Eymenis ging. Der Berg hinter dem Stall von Fritz Banse, früher Otto Mertins und Otto Albutat, wurde als Rodelbahn gern benutzt.

Auf dem Felde von Emil Romeikat, nicht weit von dem Friedhof, lag der Franzosenfriedhof. Napoleons Soldaten (1812) waren dort nur ganz flach vergraben. Obwohl Gustav Kinder die Gebeine tiefer vergraben hatte, kamen noch immer Knochen zum Vorschein.

Alle Lebensmittel, die man nicht selber zur Verfügung hatte, Textilien, Haushaltsartikel und fast alle Landwirtschaftsmaschinen bezogen die Einwohner von Breitenstein. Der Wochenmarkt, oft und gern besucht, war ein beliebter Treffpunkt, Ferkel wurden ver- und gekauft, ebenso Geflügel, Eier, Butter, Käse, Blumen usw. Breitenstein erreichte man, wenn man durch Warnen fuhr oder über den Kirchensteig zu Fuß über die Insterwiesen ging.

Kraftstrom und elektrisches Licht erhielt Steinflur um 1933. Das Dreschen wurde dadurch allen erleichtert. Der Benzinmotor und das Roßwerk verschwanden. Handwerksbetriebe gab es vor der Vertreibung kaum noch in Steinflur. Die Handwerker hatten sich mehr in Breitenstein niedergelassen.

Die Bauernhöfe Waren im Dorf aber auch im Abbau verteilt. Wenn man von Warnen kam, stand auf der linken Wegseite die Schmiede und der Hof von Walter Heinbucher. Das Grundstück hatte Gustav Mertins von Diekmann gekauft und die Schmiede gebaut. Radschuweit kaufte das Grundstück von Gustav Mertins und verkaufte es dann an Ludwig Heinbucher, an den Vater von Walter Heinbucher.
Neben Heinbucher wohnte Frau Plonus. Das Haus hatte Gustav Mertins vom Schneider Sodeikat gekauft. In dem Haus wohnten mehrere Jahre die Familien Gustav Bergner, Fritz Schäfer und Franz Schweinberger.


Weiter zurück lag der Hof von Gustav Schuschies. Gustav Schuschies übernahm ihn von seinen Schwiegereltern Gustav und Amalie Ney geb. Kutkat. Der Sohn Willi der Eheleute Schuschies ist gefallen.
Dicht an der Dorfstraße wohnte Frau Strupat. Das Haus hatte Gustav Hempel neu aufgebaut. Seine Witwe, die spätere Frau Podschuweit, hatte viele Jahre dort gewohnt. Frau Podschuweit übergab das Haus Karl Böhnke. Herr Strupat ist nicht aus dem Krieg zurückgekommen.

Die Gärtnerei Augsutat hatte vorher oft den Besitzer gewechselt. Jodzat verkaufte an Töpfer Jonnas, Jonnas an Kramer, Kramer an Frau Augsutat. Frau Augsutat hat Samen und Blumen verkauft .
In Schäfers Haus wohnte Familie Gustav Bergner und Frau Schulz. Gustav Bergner war immer ein fleißiger Helfer, obwohl er schon über 70 Jahre alt war. Das Grundstück hatte Gottlieb Schäfer von Gassner gekauft, richtete sich eine Schlachterei ein, die er auch mehrere Jahre betrieb. Die erste Frau starb im ersten Weltkrieg. Aus der zweiten Ehe mit der Witwe Radschuweit hatte er den Sohn Emil, der gefallen ist. Gottlieb Schäfer starb. Seine Witwe heiratete ihren Schwager August Schäfer/Breitenstein.

An Schäfers Garten grenzte das Grundstück von Frau Endrigkeit Sie und die Familie Sokat wohnten in dem Haus. Frau Endrigkeit war schon lange Witwe. Ihre Tochter -Frau Loleit- starb jung.
Frau Marschand wohnte mit der Familie Motzkus in dem letzten Haus, Die Magda Motzkus, geb. Gronau, war eine Enkeltochter von Frau Marschand. Das Grundstück kaufte Wilhelm Marschand von Prußeit, Prußeit von Hasenbein und Hasenbein von Schäfer. Bei Marschand schlug ungefähr um 1930 der Blitz ein. Alle, auch Jettchen Schwabe mit dem Holzbein, konnten gerettet werden. Das Haus wurde neu aufgebaut, Frau Marschand wurde noch 3 Tage vor der Flucht auf dem Steinflurer Friedhof begraben. Erich Motzkus ist gefallen.

Der Hof am Dorfteich gehörte der Familie Emil Geleßus. Der Name Geleßus soll schon sehr lange zu dem Hof gehören. Der Hof war sehr gut bebaut, das Land immer sorgfältig bestellt und sehr fruchtbar, Großvater Geleßus ist auf der Flucht gestorben.

Gleich hinter dem Hof von Emil Geleßus führte der Weg zum Hof von Maurermeister Otto Reddig. Das Grundstück hat oft den Besitzer gewechselt. Flamig kaufte von Karklinat, Lehrer Kazemek von Flamig, der Krämer August Jonuscheit von Kazemek und Otto Reddig von August Jonuscheit. Otto Reddig war Bauunternehmer, er hatte mehrere Gesellen beschäftigt. Seine Frau und die Kinder besorgten die Landwirtschaft.

Der Schule gegenüber war der Hof von Emil Romeikat. Der Hof gehörte einmal Marzin Schombach. Weil seine Scheune vom Sturm umgerissen war, verkaufte Schombach das Grundstück an Gustav Kinder. Die Scheune wurde von Gustav Kinder wieder aufgebaut. Fritz Griegat kaufte das Grundstück später von Gottfried Brost. Er hatte die Witwe von Gustav Kinder geheiratet. Fritz Griegat, verheiratet mit Auguste Kumetat, fiel im ersten Weltkrieg. Frau Auguste Griegat heiratete nach dem Krieg Emil Romeikat. Das Land lag, vom Dorf gesehen, hinter dem Friedhof. Es reichte vom Sassupöner Weg bis zur Eymenis.

Zwischen der Scheune von Emil Romeikat und dem Garten von Otto Masurat führte ein Weg nach den Höfen Paul Mertins und Fritz Banse. Paul Mertins übernahm den Hof mit Schmiede von seinem Vater Gustav Mertins. Das Grundstück hatte der Schneider Well gekauft. Seine Tochter Henriette heiratete den Sattler und Gerber Friedrich Kinder, Gustav Kinder übernahm den Hof von seinen Eltern, Er war Unternehmer im Drainieren. Gustav Kinder starb jung.

Nach seiner Soldatenzeit kaufte Fritz Banse den Hof von Otto Mertins, Dieser hatte die Witwe von Otto Albutat geheiratet. Otto Albutat war im ersten Weltkrieg gefallen. In mehreren Generationen gehörte der Hof schon der Familie Albutat.
Otto Masurat übernahm den Hof von seinem Vater. Masurat kaufte den Hof von Wilhelm Endrigkeit. Der Hof gehörte vorher schon mehrere Generationen der Familie Endrigkeit. Endrigkeit konnte den Hof nicht mehr bewirtschaften. Seine einzige Tochter heiratete nach Königsberg. Otto Masurat ist vermißt.


Am Weg nach Sassupönen war das Grundstück von Karl Böhnke, Der Großvater von Frau Böhnke, geb. Siebert, kam aus Meschken und kaufte das Grundstück. Der Vater von Frau Böhnke -Siebert- starb jung. Die Witwe Siebert, geb. Kinder, heiratete dann August Schützler. Das Grundstück von Karl Böhnke reichte bis zur Eymenis. Böhnke hatte noch Land dazugekauft. Karl und Auguste Böhnke sind in Pommern verstorben.
Hinter dem Gehöft Karl Böhnke stand einmal das Haus von Paul Masurat. Die Frau von Paul Masurat hatte es von ihrer Tante Auguste Rautenberg geerbt. In dem Haus wohnten viele Jahre die Gebrüder Tumoscheit, dann kurze Zeit das Ehepaar Bagdohn. Das Haus wurde vor dem Krieg abgerissen.
Das Grundstück Plauschinat gehörte vorher Uschpilkat. Nachdem Uschpilkats verstorben waren, wohnten die Familien Schweinberger und dann das Ehepaar Bagdohn darin. Vor der Flucht stand das Haus leer. Uschplikat ist noch durch seine Ziegen bekannt.

Das Grundstück von Franz Knox lag an der Grenze von Sassupönen und reichte bis zur Eymenis. Adolf August kaufte das Grundstück von August Kirstein und verkaufte es an Friedrich Knox, dem Onkel von Franz Knox. Frau Auguste Knox starb auf der Flucht.

Wenn man von Warnen kam, stand auf der rechten Seite das Grundstück von Franz Plauschinat. Die Frau Berta Plauschinat erbte das Grundstück von ihren Pflegeeltern Ussat. Die Frau Ussat übernahm es von ihren Eltern Enulat, Weil das Ehepaar Ussat keine eigenen Kinder hatte, wurden sie von den Dorfbewohnern Tante und Onkel genannt. Ussat machte gute Tischler- und Böttcherarbeiten. Das Ehepaar hat viel bei den Nachbarn in der Landwirtschaft gearbeitet. Frau Ussat war 16 Jahre bettlägerig. Frau Plauachinat hat sie gepflegt.

Der Hof von Richard Karklinat lag dicht am Dorfteich. Die Eltern von Richard kauften das Grundstück von Jankowski. Richard Karklinat war mit Anna Kindermann verheiratet. Die Ehe war kinderlos. Richard Karklinat starb 1941, seine Frau starb auf der Flucht.

Das Grundstück von Eduard Ney lag dicht an der Schule. Es gehörte einmal Gärtner Höfert. Der Lehrer Helfensteller kaufte es von Höfert. Die Witwe von Lehrer Helfensteller verkaufte dann an Eduard Ney. Dieser hat noch viel Land dazugekauft und auch viel gebaut. Eduard Ney war mit Lina Brandstedter verheiratet. Sie hatten 3 Töchter und 2 Söhne.

Zwischen dem Grundstück von Eduard Ney und der Schule führte ein Weg zum Abbau, de Dröfft genannt. Der erste Hof gehörte Adolf Podschuweit. Sein Stiefvater Ney hatte das Grundstück vom Lehrer Helfensteller und der von Schäfer gekauft. Adolf Podschuweit, der auch Schneider war, wurde von Flüchtlingen in seiner Wohnung tot aufgefunden. Er soll unter seinem Apfelbaum begraben sein.

Vor dem Grundstück von Adolf Podschuweit führte ein Weg zum Hof von Max Annighöfer. Das Grundstück hatte der Stellmacher Friedrich Karklinat vom Landwirt Bremer gekauft, der nach Amerika auswanderte. Karklinat kam vom Gut Moulinen, wo er Stellmacher war. Friedrich Karklinat verkaufte das Grundstück an Falk, den Stiefvater von Frau Annighöfer, geb. Götting. Der älteste Sohn der Eheleute Annighöfer -Erich- ist nicht aus dem Krieg zurückgekommen .

Vom Dorf gesehen - hinter Podschuweit - war das Grundstück von Artur Preuß. Der Hof gehörte einmal Gottlieb Schombach, der auch das Haus gebaut hatte. Gottlieb Schombach verkaufte das Grundstück an Albert Krischat, dem Schwiegervater von Artur Preuß und kaufte sich ein Grundstück im Memelland. Frau Anna Preuß, geb. Krischat, ist nach dem Krieg in Ostpreußen verstorben. Die Tochter Annemarie, die noch ein Schulmädchen war, kam zu ihrem Vater.

Das Grundstück von Ernst Liegat lag an der Pleinlauker Grenze. Das Ehepaar Kallweit hatte sich das Land gekauft. Das Land wurde erst urbar gemacht, und dann wurde das Haus und der Stall gebaut. Kallweit ist bald gestorben. Die Witwe heiratete einen Müller. Eduard Xallweit übernahm das Grundstück von seinem Stiefvater und übergab es seiner Tochter Marta, die mit Ernst Liegat verheiratet war. Ernst Liegat ist nach dem Kriege in Ostpreußen verstorben.

Auf der linken Seite von Ernst Liegat war das Gehöft von Emil Schernus. Das Grundstück gehörte einem Schiemann, der es seiner Tochter, der Frau Ganse, übergab. Die Tochter von dem Ehepaar Ganse war die Frau Schernus. Von der Familie Schernus ist nichts bekannt. Der Sohn Erich ist gefallen.


Von Schernus ein Stück näher zum Dorf wohnte die Familie Gustav Haupt. Gustav Haupt hatte das Grundstück von Eduard Paulokat gekauft. Paulokat übernahm das Grundstück von seiner Schwiegermutter Schäfer. Familie Haupt hatte 3 Töchter und 1 Sohn.
Über dem Hof von Gustav Haupt führte der Weg zum Grundstück von Paul Masurat, Auf dem Grundstück wohnte einmal der Jude Böttcher. Weil er nicht deutscher Staatsbürger werden wollte mußte er nach Amerika auswandern. Das Ehepaar Eduard und Auguste Rautenberg kauften das Grundstück von Böttcher und übergab es dann der Nichte, Frau Emma Masurat, geb.Rautenberg. Das Ehepaar Paul und Emma Masurat hatte 2 Töchter und 1 Sohn. Beide Töchter und auch Frau Auguste Rautenberg sind in Pommern verstorben.

Der Hof von Willi Albutat lag an dem Weg, der nach Plimballen führte. Bernhard Albutat, der Vater von Willi, hatte von seinem Vater, Ferdinand Albutat, 40 Morgen Land bekommen. Er baute darauf die Gebäude. Später kaufte Bernhard Albutat noch 7 Morgen Insterwiesen dazu.

Zwischen Budeningker- und Plimballer Weg war der Hof von Franz Kumetat. Das Grundstück gehörte einmal Schäfer. Christian Urmoneit kaufte es und übergab es seinem Sohn Christoph, der mit Henriette Albutat verheiratet war. Durch Zukauf von Land wurde das Grundstück größer. Der Pflegesohn Albert Urmoneit, verheiratet mit Meta Kinder, baute das Wohnhaus. Albert Urmoneit starb 1915. 1919 heiratete Franz Kumetat die Witwe. Der Stall wurde gebaut und das ganze Land drainiert. Fritz Urmoneit, der Stiefsohn von Franz Kumetat, fiel im Krieg. Tochter Anna Kumetat starb in Pommern. Christoph Kumetat, der Vater von Franz, ist vermißt.

Auf dem Felde, ein Stück vom Pleinlauker Weg, standen früher die Gehöfte von Wilhelm Karklinat und Gustav Preukschat. Gustav Preukschat verstarb auf der Flucht im ersten Weltkrieg. Nach dem Tode ihres Sohnes Franz (1928) verkaufte Auguste Preukschat, geb. Albutat, das Grundstück an Gottlieb Liegat. Das Gehöft von Wilhelm Karklinat war schon vorher abgebrochen worden.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bild)

Dorf Steinflur
Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 13. Februar 2011